Wirtschaftsforschung
Supertrends nach der Pandemie: Von der wütenden zur besorgten Gesellschaft

Eine Analyse der Credit Suisse zeigt auf, in welche Richtung sich die Weltwirtschaft nach der Pandemie entwickeln könnte. Im Vordergrund stehen bei den Konsumenten Ängste um die persönliche Sicherheit.

Peter Walthard
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Für viele mittelständische Haushalte unerreichbar geworden: Das Einfamilienhaus im Grünen.

Für viele mittelständische Haushalte unerreichbar geworden: Das Einfamilienhaus im Grünen.

Keystone

Die globale Pandemie hat die Mittelschicht weiter in Bedrängnis gebracht: Dies zeigt die diesjährige Analyse der Credit Suisse zu den weltwirtschaftlichen Supertrends. Wichtige Sorgenpunkte hätten durch die Pandemie an Bedeutung gewonnen, sagte CS-Ökonom Reto Hess am Dienstag an einer Medienpräsentation. Zwar habe die Angst vor dem Coronavirus weltweit abgenommen, nun seien aber Sorgen rund um Kriminalität, Gewalt, Korruption, Armut, soziale Ungleichheit und Arbeitslosigkeit in den Vordergrund gerückt.

In westlichen Ländern wie Frankreich, Deutschland, Grossbritannien und den USA habe sich die Sicherheitslage wegen der steigenden Kriminalität verschlechtert. Gleichzeitig sei es für mittelständische Haushalte schwieriger geworden, für Kosten von Grundbedürfnissen wie Wohnraum, Bildung und gesunde Nahrung aufzukommen. So brauche eine durchschnittliche Familie aus dem Mittelstand heute rund zehn Jahreseinkommen, um sich ein Haus zu kaufen. Derweil seien die Gesundheitskosten wegen der zunehmenden Alterung der Bevölkerung in vielen Ländern auf rund zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts gestiegen.

Gleichzeitig sorge die Alterung dafür, dass das Geld bei den älteren Generationen bleibe: Erben können viele erst, wenn sie selbst das Pensionsalter erreicht haben. Dazu komme ein zunehmend unsicheres Arbeitsumfeld. Digitalisierung und Klimawandel würden in den nächsten Jahren Millionen von Jobs obsolet machen, auch die globale Energiewende werde rund sechs Millionen Arbeitsplätze vernichten. Demgegenüber würden aber auch neue Stellen geschaffen. Hier sei Um- und Weiterbildung notwendig.

2050 leben weltweit zwei Drittel der Menschen in urbanen Gebieten

Politische Lösungen seien für diese Probleme nicht in Sicht, so der CS-Bericht. Dies, da viele Regierungen bereits heute dabei seien, das Steueraufkommen der künftigen Generationen auszugeben. Lösungen könnten in dieser Lage eher vom privaten Sektor kommen. Voraussetzung dafür seien aber «die richtigen Anreize und Partnerschaften», heisst es in dem Bericht.

Keine Entspannung sieht die CS langfristig an der Gesundheitsfront. Die rasante globale Urbanisierung und der zu erwartende weitere Anstieg des internationalen Personenverkehrs machten Pandemien zu einem permanenten Risiko. Bis 2050 dürften gemäss den CS-Zahlen mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten leben. Diese müssten mithilfe digitaler Technologien in sogenannte Smart Citys umgewandelt werden, um den daraus resultierenden Herausforderungen Herr zu werden, sagte CS-Ökonom Jens Zimmermann.

Das Zusammenspiel der neuesten Entwicklungen auf dem Feld der Bio- und Informationstechnologie berge dabei auch Gefahren, so der CS-Bericht. Nicht zuletzt ermöglichten neue technische Möglichkeiten wie additive Fertigung, künstliche Intelligenz und Robotik auch einen Entwicklungssprung bei der Waffenproduktion. Mit der drastischen Erhöhung des US-Militärbudgets unter dem neuen Präsidenten Joe Biden seien die internationalen Spannungen gestiegen, insbesondere zwischen den USA und China, sagte Reto Hess.