Studie
Wohneigentum für viele unerreichbar – Schweizer werden wieder zum Mietervolk

Seit 20 Jahren steigen hierzulande die Eigenheimpreise, ein Ende ist nicht in Sicht. Eine Studie von Raiffeisen geht nicht davon aus, dass die Blase bald platzen wird.

Alice Guldimann
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Eine Raiffeisen-Studie rechnet nicht damit, dass die Immobilienblase bald platzen könnte. (Symbolbild)

Eine Raiffeisen-Studie rechnet nicht damit, dass die Immobilienblase bald platzen könnte. (Symbolbild)

Keystone

Wohneigentum ist hierzulande stark gefragt, die Preise steigen stetig an. Auch die Coronakrise vermochte es nicht, die Entwicklung zu bremsen. Der Wohneigentumsboom setzte in der Schweiz kurz vor der Jahrtausendwende ein, befeuert wurde er unter anderem durch ein starkes Wirtschaftswachstum und durch die Zuwanderung, wie einer am Dienstag veröffentlichten Studie von Raiffeisen Economic Research zu entnehmen ist.

Die Ökonomen kommen allerdings zum Schluss, dass der Boom nun ein Ende hat. «So schränken die hohen Preise und regulatorischen Hürden das Eigentümerpotenzial mittlerweile massiv ein», heisst es in einer Mitteilung. Dazu komme, dass zum Kauf verfügbare Objekte sehr rar seien und im Konkurrenzkampf um Bauland kaum neue Eigentumsobjekte gebaut würden.

Keine Entspannung in Sicht

«Nach 20 Jahren ungebremster Preissteigerungen ist der Eigenheimtraum für breite Bevölkerungsschichten heute also ausgeträumt», schreiben die Studienautoren. Weil sich jüngere und weniger wohlhabende Haushalte die aktuellen Preise nicht leisten können, sinkt die Eigentumsquote und die Schweizer werden wieder vermehrt zum Mietervolk. «Auch eine mögliche Zunahme durch vermehrt verkaufswillige Babyboomer dürfte nur zu einer marginalen Marktentspannung führen», heisst es weiter.

Die Preise dürften also weiterhin hoch bleiben. Dafür, dass die Immobilienblase platzen könnte, sehen die Ökonomen keine Anzeichen. Das Preisniveau und die starke Aufwärtsdynamik seien «fundamental begründbar» – durch eine starke Nachfrage aufgrund von tiefen Finanzierungskosten auf der einen, und ein sehr knappes Angebot auf der anderen Seite. «Auch wenn der Eigenheimmarkt mittlerweile stark aufgebläht ist, wird diese Blase nicht platzen», wird Chefökonom Martin Neff zitiert. Denn die Preise würden nicht durch Spekulationen getrieben.

Die anhaltend tiefen Zinsen würden auch künftig dafür sorgen, dass die wenigen zum Verkauf stehenden Eigentumsobjekte regen Absatz finden, so die Studienautoren. Jetzt brauche es eine offene, unvoreingenommene Diskussion über die Zukunft des Schweizer Wohneigentums. Ansonsten würden sich die «aktuellen Entwicklungen ungebremst fortsetzen und Wohneigentum wird noch mehr zum Privileg», so Neff.

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