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Credit Suisse: Gewinnrückgang wegen Archegos-Debakel und Korruptionsaffäre - neue Strategie solls richten

Die Credit Suisse kann auch im dritten Quartal des Jahres keine Gewinnsteigerung vermelden. Grund sind Rechtsstreitigkeiten. Die Grossbank präsentiert am Donnerstag zudem ihre neue Strategie.

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Die Credit Suisse hat im dritten Quartal weniger verdient als im Vorjahr.

Die Credit Suisse hat im dritten Quartal weniger verdient als im Vorjahr.

Keystone

Das wichtigste in Kürze:

  • 434 Millionen Franken weist der Gewinn der Credit Suisse im dritten Quartal auf. Ein Minus von 21% gegenüber dem Vorjahresquartal. Für die ersten neun Monate resultiert ein Vorsteuergewinn von 1,1 Milliarden. Das sind 70 Prozent weniger als 2020.
  • Die Bank weist für Rechtsfälle 546 Millionen Franken, unter anderem für eine Geldstrafe im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre in Moçambique.
  • Das Archegos-Debakel kostete die Bank bis heute 4,8 Milliarden.
  • Im Jahresverlauf flossen der Bank Netto-Neugelder in Höhe von 29,3 Milliarden zu.
  • Neue Unternehmensstrategie: Mehr Vermögensverwaltung, einfachere Firmenbetriebsstruktur, erhöhung der Wachstumsinvestitionen.
  • Rüge der Finma rund um die Affäre um Topmanager Iqbal Khan, die 2020 zum Sturz von CS-Chef Tidjane Thiam führte.

Die Details Zahlen:

Die Credit Suisse weist für das dritte Quartal 2021 einen Reingewinn von 434 Millionen Franken auf - das entspricht einem Rückgang von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Grund sei ein erhöhter effektiver Steuersatz, wie die Grossbank in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt. Der Gewinn vor Steuern beträgt eine Milliarde Franken, was im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 26 Prozent bedeutet.

Belastet haben die Credit Suisse im dritten Quartal insbesondere Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten in der Höhe von insgesamt 546 Millionen Franken, unter anderem Geldstrafen im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre in Moçambique. Für zusätzlichen Gewinn von 235 Millionen Franken sorgte derweil die Auflösung einer Rückstellung im Zusammenhang mit dem Hedgefonds Archegos sowie ein Gewinn von 129 Millionen aus der Beteiligung an der Allfunds Group.

Für die ersten neun Monate des Jahres resultiert für die CS ein Vorsteuergewinn von 1,1 Milliarden Franken. Das sind 70 Prozent weniger als im Vorjahr, was laut Mitteilung hauptsächlich auf Belastungen von 4,8 Milliarden Franken in Verbindung mit dem Archegos-Debakel zurückzuführen ist. Die Grossbank konnte von Januar bis September Netto-Neugelder in Höhe von 29,3 Milliarden Franken generieren. Das sind rund drei Milliarden weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Die neue Strategie: Schlankere Bank, weniger Volatilität

Die Credit Suisse präsentiert am Donnerstag zudem die neue Unternehmensstrategie. Diese soll auf drei zentralen Pfeilern fussen, wie es in einer Mitteilung heisst.

So will die Bank das Kerngeschäft Vermögensverwaltung stärken und in den nächsten drei Jahren rund drei Milliarden Franken dorthin verlagern. Das zugeteilte Kapital soll zudem künftig im Verhältnis stärker den Unternehmensbereichen Vermögensverwaltung, Asset Management und Schweizer Bank zufliessen als dem Investment-Banking, das jüngst für negative Schlagzeilen sorgte.

Als zweites soll das Betriebsmodell der Bank vereinfacht werden, mit einer klaren Matrix-Organisation der globalen Geschäftsbereiche und Regionen, einer globalen Investment-Bank für alle vier Regionen und einer zentralen Technologie- und Betriebsfunktion.

Zuletzt will die Credit Suisse die Wachstumsinvestitionen bis 2024 schrittweise auf bis zu 1,5 Milliarden Franken erhöhen, dies in allen vier Unternehmensbereichen.

«Die heute angekündigten Massnahmen bilden den Rahmen für eine wesentlich stärkere, kundenorientiertere Bank mit führenden Geschäftsbereichen und regionalen Franchises», lässt sich Verwaltungsratspräsident António Horta-Osório zitieren. Das Risikomanagement werde im Mittelpunkt des Handelns stehen. «Wir werden eine schlankere Bank mit voraussichtlich geringerer Ertragsvolatilität und einem stärkeren Fokus auf die Märkte, in denen wir tätig sind», ergänzt CEO Thomas Gottstein.

Die negativen Schlagzeilen:

Zuletzt kam die Grossbank nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen heraus. Mit 253 Millionen Franken fiel der Gewinn im zweiten Quartal um 78 Prozent tiefer aus als im Vorjahr. Grund dafür war das Debakel um den Hedgefonds Archegos, das der CS einen zusätzlichen Verlust von 594 Millionen Franken bescherte. Ausserdem belastete die Pleite des britisch-australischen Lieferketten-Finanzierers Greensill die Grossbank zusätzlich.

Als ob dies nicht genügte, musste die CS kürzlich in Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre in Moçambique Geldstrafen von rund 475 Millionen Dollar bezahlen. Zudem stellte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma vor kurzem «schwere Aufsichtsrechtsverletzungen» bei der CS fest. Dies im Rahmen der sogenannten Beschattungsaffäre um den Topmanager Iqbal Khan. (agl/dpo)

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