Baar
Grösster Deal der Firmengeschichte: Sika will ehemaliges Bauchemiegeschäft von BASF übernehmen

Der Zuger Bauchemiehersteller Sika hat die MBCC Group aus Mannheim im Visier. Schon vor zwei Jahren hatte Sika Interesse an einem Kauf der damaligen BASF-Sparte.

Maurizio Minetti
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Das Zentrum für Forschung und Entwicklung der MBCC Group im deutschen Trostberg.

Das Zentrum für Forschung und Entwicklung der MBCC Group im deutschen Trostberg.

Bild: BASF

LafargeHolcim oder Sika? Diese beiden Schweizer Konzerne galten 2019 als Kandidaten für den Kauf des damaligen Bauchemiegeschäfts der deutschen BASF-Gruppe. Das Rennen machte Ende 2019 aber die texanische Beteiligungsgesellschaft Lone Star Funds. Der Transaktionspreis betrug damals 3,2 Milliarden Euro. Ein Jahr später wurde die ehemalige BASF-Sparte in MBCC Group umbenannt.

Nun wechselt das ehemalige BASF-Bauchemiegeschäft schon wieder den Besitzer. Am Donnerstag gab der Baarer Bauchemiekonzern Sika bekannt, die MBCC Group übernehmen zu wollen. Die geplante Transaktion bewertet die MBCC Group mit 5,2 Milliarden Euro beziehungsweise 5,5 Milliarden Franken. Im Rückblick lässt sich also sagen, dass Sika das Geschäft vor zwei Jahren viel günstiger hätte haben können. Die Finanzierung der geplanten Transaktion erfolgt über einen Überbrückungskredit.

Sika entschied sich damals gegen den Kauf der BASF-Sparte und übernahm dafür für 2,5 Milliarden Franken den französischen Mörtelhersteller Parex – damals der grösste Deal in der Sika-Firmengeschichte. Sika-CEO Thomas Hasler bezeichnete am Donnerstag an einer Medienkonferenz in Zürich das frühere Interesse an der BASF-Sparte als «oberflächlich». Nun habe man das Unternehmen vertieft analysiert. Noch müssen aber die Behörden grünes Licht geben. Gemäss Sika soll der Abschluss der Transaktion in der zweiten Jahreshälfte 2022 erfolgen. Ein Gegenangebot eines anderen potenziellen Käufers erwartet CEO Hasler nicht.

Fokus auf Nachhaltigkeit

Die MBCC Group stellt Produkte wie Mörtel und Zusatzmittel her, die vor oder nach dem Mischen von Zement zugesetzt werden, etwa um Trockenzeiten und Wassergehalt zu verbessern. Das Unternehmen mit rund 7500 Mitarbeitenden und Hauptsitz im deutschen Mannheim soll dieses Jahr einen Umsatz von 2,9 Milliarden Franken erzielen. Zum Vergleich: Sika setzt aktuell rund 8 Milliarden um:

Die Transaktion werde die Sika-Wachstumsstrategie 2023 nochmals beschleunigen – auch über diesen Zeitraum hinaus, schreibt das Baarer Unternehmen in einer Mitteilung. Allein für 2023 erwartet das gemeinsame Unternehmen einen Umsatz von über 13 Milliarden Franken. Der Zusammenschluss schaffe ein ausgewogenes Produktportfolio, in dem Sika in allen Zielmärkten zwischen 1 und 2 Milliarden Franken Umsatz erzielen werde.

Das gemeinsame Produktsortiment werde zu über 80 Prozent aus Produktlösungen bestehen, die einen positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit beim Kunden führen sollen. Bis 2025 werden jährliche Synergien in Höhe von 160 bis 180 Millionen Franken veranschlagt, was rund 6 Prozent des Umsatzes von MBCC respektive 1,4 Prozent des gemeinsamen Umsatzes entsprechen wird. Die Integrationskosten werden mit 200 Millionen Franken über drei Jahre angegeben.

Analysten bewerten den Deal positiv

Mehrere Analysten beurteilen die Transaktion als positiv, der Aktienkurs zog am Donnerstag entsprechend an. «Wir sind beeindruckt, mit welchem unternehmerischen Geist das Sika-Management geschickt die hohe Cashgenerierung des Unternehmens, günstige Finanzierungskosten sowie einen weiterhin stark fragmentierten Bauchemie-Markt ausnutzt, um einen signifikanten Mehrwert für die Aktionäre zu schaffen», sagt Vontobel-Analyst Bernd Pomrehn. Nur zwei Jahre nach der Milliarden-Akquisition von Parex traue sich Sika nun die grösste Akquisition der Firmengeschichte zu. «Auf Sika wartet viel Arbeit, aber die Erfahrungen und der Erfolg der letzten Jahre geben dem Management recht», sagt Pomrehn. Bei der Zürcher Kantonalbank urteilt Analyst Philipp Gamper, dass die Akquisition von MBCC die Marktposition von Sika regional und produkt- wie auch marktseitig erheblich stärken werde. Der Kaufpreis erscheine «attraktiv».

Das grösste Risiko bei der Transaktion sei der Integrationsprozess, schreibt die Credit Suisse in einer ersten Analyse. Auf Kartellebene seien hingegen keine Hindernisse zu erwarten. Die Erfahrungen von der Akquisition von Parex geben den Analysten der Helvetischen Bank derweil «die Zuversicht, dass auch dieser Deal gut integriert werden kann und die anvisierten Synergien auch erzielt werden».

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