Arbeitsmarkt
Konferenz für ältere Arbeitnehmende: Bund zieht Bilanz

Die nationale Konferenz zum Thema «ältere Arbeitnehmende» ging am Montag in die letzte Runde. Während der Bund es dabei belassen will, fordern Gewerkschaften eine Weiterführung.

Alice Guldimann
Drucken
Seit 2015 wurden im Zusammenhang mit der Konferenz 14 Massnahmen zugunsten älterer Arbeitnehmenden in die Wege geleitet. (Symbolbild)

Seit 2015 wurden im Zusammenhang mit der Konferenz 14 Massnahmen zugunsten älterer Arbeitnehmenden in die Wege geleitet. (Symbolbild)

Keystone

Die Bedeutung älterer Arbeitskräfte auf dem Schweizer Arbeitsmarkt nimmt zu. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung braucht es sie, um die Nachfrage nach Fachkräften zu decken. Seit 2015 führte das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) insgesamt sechs nationale Konferenzen zum Thema «ältere Arbeitnehmende» durch. Daran beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Kantonen, sowie von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden. Ihr Auftrag lautete, Massnahmen zu entwickeln, um die Lage der Älteren auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Am Montag fand die letzte der geplanten Konferenzen statt, Bundespräsident und Wirtschaftsminister Guy Parmelin zog mit Kantons- Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern Bilanz. So brachten die Konferenzen insgesamt 14 Massnahmen und Projekte zugunsten älterer Arbeitnehmenden hervor. «Insgesamt hat die Konferenzreihe wichtige Impulse für eine breit abgestützte und nachhaltige Verbesserung der Situation älterer Arbeitnehmender gesetzt», heisst es im Schlussbericht.

Travail Suisse fordert Neuauflage der Konferenz

Die Massnahmen werden im Bericht in drei Teilbereiche aufgeteilt: Im Bereich «Bestehende Vorteile stärken» stehen Weiterbildungsmassnahmen und Laufbahnberatung im Zentrum. In der Kategorie «Einstellen und halten» geht es um Massnahmen zur Sensibilisierung und Erwerbsanreize. In der dritten Massnahmenkategorie geht es um Wiedereingliederung und soziale Absicherung. Unter anderem wurde der Pilotversuch «Supported Employment» lanciert, der zum Ziel hat, für ausgesteuerte und von Aussteuerung bedrohte Stellensuchende über 50 Jahren eine dauerhafte Anstellung zu finden.

Wie das Wirtschaftsdepartement mitteilt, soll der Dialog nun in den bestehenden Gremien und Strukturen weitergeführt werden. Weitere Konferenzen wurden nicht angesetzt. Der Arbeitnehmer-Dachverband Travail Suisse fordert allerdings bereits eine Neuauflage. Die Situation älterer Arbeitnehmender habe sich trotz verschiedener wichtiger Massnahmen weiter verschlechtert, schreibt der Verband in einer Mitteilung.

«Was älteren Arbeitnehmenden vor allem fehlt, ist die Unterstützung ihrer Arbeitgeber für die Weiterbildung», heisst es weiter. Unter diesen Voraussetzungen sei es nötig, dass die Konferenz in einem grösseren Kontext weiterhin durchgeführt werde. «Wir werden Bundespräsident Parmelin beim Wort nehmen und eine neue Konferenz hinsichtlich der zukünftigen Herausforderungen einfordern», schreibt Travail Suisse. Parmelin habe sich an der Konferenz offen für den Vorschlag gezeigt.
Auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund unterstützt die Forderung nach einer Weiterführung der Konferenz, wie er mitteilte.

Situation der älteren Arbeitnehmenden in der Schweiz

Die Erwerbsquote der älteren Arbeitnehmenden ist in der Schweiz in den letzten 20 Jahren von 63 auf 74 Prozent angestiegen. Laut dem Grundlagenbericht zur Konferenz ist das im internationalen Vergleich «ausgesprochen hoch». Die positive Tendenz ist insbesondere durch eine höhere Arbeitsbeteiligung der Frauen geprägt. Nach der ordentlichen Pensionierung nimmt die Erwerbsbeteiligung aber rasch ab. 2020 gingen 18 Prozent der 65- bis 74-Jährigen einer Arbeit nach.

Von 2010 bis 2020 lag die Erwerbslosenquote der 55- bis 64-Jährigen um einen Prozentpunkt tiefer als die Erwerbslosenquote insgesamt. Haben ältere Personen aber einmal die Arbeit verloren, ist der Wiedereinstieg deutlich schwieriger. So ist der Anteil Langzeiterwerbsloser bei den 55- bis 64-Jährigen mit 52 Prozent mit Abstand am grössten. Über die Jahre 2010-2020 waren im Durchschnitt 2.1 Prozent in dieser Altersgruppe während mehr als einem Jahr erwerbslos. Über alle Altersklassen hinweg waren es 1.7 Prozent. (agl)

Aktuelle Nachrichten