Ratgeber
Ausgesext: Der «Blick» stellt seine Sex-Beratung ein

Nach knapp 40 Jahren macht der «Blick» Schluss: Per Ende Juni wird der Ratgeber rund ums Thema Sex eingestellt. Die jetzige «Blick»-Sexologin Caroline Fux verlässt das Medienhaus.

Michael Graber
Merken
Drucken
Teilen
Wegen einer internen Neuorganisation streicht der Blick seinen Sex-Ratgeber.

Wegen einer internen Neuorganisation streicht der Blick seinen Sex-Ratgeber.

Keystone

«Er hat Sex mit jungen Prostituierten», «Kuschel-Verbot nach dem Herzinfarkt», «Kein Sex – kann ich sie verklagen?»: So oder ähnlich lauteten die Titel der Kolumnen von Caroline Fux. In den letzten zehn Jahren lag Fux immer irgendwie mit auf den Bettlaken, wenn es erotisch mehr kriselte als knisterte. Die Zugerin führte für den «Blick» den Sex-Ratgeber. Damit setzte sie die Tradition fort, die die Zeitung mit Marta Emmenegger 1980 begonnen hatte. Die «Liebe Marta» war dabei so etwas die Schweizer Version von «Dr. Sommer» von der «Bravo» und verhalf den Schweizern und Schweizerinnen, Sex etwas weniger verkrampft zu thematisieren.

Doch nun haben Fux und der «Blick» Schluss gemacht. Wie es in einer Mitteilung heisst, passiert dies im Rahmen einer «internen Neuorganisation». Die Zeitung macht aber nicht Schluss und geht gleich wieder auf Brautschau, sondern beendet die Beziehung zum Sex-Ratgeber gleich ganz. «Die Tradition der Sex-Beratung geht bei Blick nach gut 40 Jahren zu Ende», heisst es in der Mitteilung. Am 30. Juni wird Fux im «Blick» ein letztes Mal Hand an ein sexuelles Thema legen. Nachher verlässt sie das Zürcher Medienhaus.

Die Rubrik habe vielen geholfen

«Jetzt ist es Zeit für eine neue Herausforderung. Ich werde Menschen weiter in ihrer persönlichen Entwicklung und beim Meistern ihrer Herausforderungen unterstützen», lässt sich Fux in der Mitteilung zitieren. Sie sei «extrem stolz» Teil der langen Sexberater-Tradition zu sein. «Die Rubrik hat während vier Jahrzehnten viele Menschen bewegt und vor allem auch vielen weitergeholfen», so Fux.

Mit dem Thema grundsätzlich abschliessen will der «Blick» aber nicht. «Sexualität und Partnerschaft bleiben wichtige Themen für uns und werden künftig vom neuen Ressort Gesellschaft betreut», lässt sich «Blick»-Chef Christian Dorer in der Mitteilung zitieren. Ebenjenes neue Ressort ist der Grund für die getrennten Wege von Boulevardblatt und Fux. Ähnliche Worte gab es übrigens bereits 2016: Auch damals hiess es, dass Sex für den «Blick» ein wichtiges Thema bleibe. Der Grund für die Äusserung damals: Die Einstellung des «Seite-3-Girls».

Das Ende kommt überraschend

Caroline Fux 2012.

Caroline Fux 2012.

Coralie Wenger

Während sich damals das Ende des barbusigen Mädchens schleichend abgezeichnet hatte, kommt das Aus der Kolumne von Fux eher überraschend. Zwischenzeitlich erschien sogar ein Podcast von Fux zum Thema. Auf ihrem Instagram-Profil kommentiert sie den Schritt mit «Leider stellt der Blick die Sexberatung nach über 40 Jahren ein».

Zum unverhofften Schlussmachen hat Fux selber Kolumnen geschrieben und Tipps für Betroffene gegeben: «Man fühlt sich zu Recht um die Möglichkeit betrogen, dass man etwas gegen das Aus hätte unternehmen können, und die Trennung tut so in gewisser Weise doppelt weh», riet sie einem Michel, der aus heiterem Himmel verlassen wurde. Und weiter: «Nimm für die nächste Beziehung die Erkenntnis mit, wie wichtig eine offene Kommunikation auch ohne problematischen Anlass ist.» Die studierte Psychologin wird künftig als selbständige Psychologin und Sexologin arbeiten.