Bergretter-Bilanz
Im Coronajahr gab es in den Schweizer Bergen so viele Notfälle wie noch nie

Trotz – oder gerade wegen der Coronapandemie – gab es letztes Jahr so viele Bergnotfälle wie noch nie. Während beim Bergsport die Zahl der Unfälle leicht zurückgingen, gerieten Berggänger viel öfter in Not.

Samuel Thomi
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Die Bergretter in der Schweiz – im Bild eine Übung zusammen mit der Rega – waren im vergangen Jahr so gefragt wie noch nie.

Die Bergretter in der Schweiz – im Bild eine Übung zusammen mit der Rega – waren im vergangen Jahr so gefragt wie noch nie.

Keystone

Konkret sind in den Schweizer Alpen und im Jura im letzten Jahr 3471 Personen in eine Notlage geraten und mussten von der Bergrettung gerettet oder geborgen werden. Wie der Schweizerische Alpenclub (SAC) am Mittwoch in einer Mitteilung schreibt, sind das so viele wie noch nie seit die Bergnotfallstatistik erhoben wird. Saisonal betrachtet entfielen die meisten Rettungen demnach auf die Zeit nach den Coronalockerungen. Während des Lockdowns im Frühling dagegen sei es trotz ausgezeichneter Bedingungen zu deutlich weniger Bergnot- und Unfällen gekommen.

Der Rekord ist denn auch auf die 3471 Wandererinnen und Wanderer zurückzuführen, die in eine Notlage geraten sind. 1172 Berggänger konnten gesund oder mit leichten Blessuren gerettet werden. 180 Wandernde jedoch verloren ihr Leben, davon 47 infolge einer Erkrankung. Laut SAC waren dies meist Herz-Kreislauf-Probleme. Im Bergsport dagegen sind im Coronajahr mit 112 tödlich Verunfallten 2020 etwas weniger Menschen gestorben. Im Vorjahr waren in der Schweiz 120 Bergsportler gestorben.

Wie der Schweizerische Alpenclub weiter mitteilt, fällt in der Statistik insbesondere beim Bergsport der tiefe Ausländeranteil auf. Während dieser meist weit über 40 Prozent liege, machen die 30 tödlich Verunfallten ausländischen Bergsportler 2020 nur 27 Prozent aus. Der SAC führt diesen Rückgang vorab auf Coronareisebeschränkungen zurück.

Wanderwege wurden im Coronajahr zur tödlichen Falle

Während die 55 tödlichen Bergwanderunfälle dem langjährigen Durchschnitt entsprechen, erreichte die Zahl der Wanderer-Notlagen im Corojanahr einen Höchstwert. «Vor allem im Frühling und Frühsommer sowie im Herbst zeigt sich, dass auch einfache Bergwanderwege gefährlich werden, wenn schattige Wegabschnitte schneebedeckt oder vereist sind», schreibt der SAC. 2020 habe es auf solchen Wegabschnitten denn auch besonders viele Unfälle gegeben, davon sechs tödliche. Laut Mitteilung waren davon fünf Wandernde und eine Trailrunnerin betroffen.

Der Schweizerische Alpenclub rät in der Mitteilung explizit dazu, Bergwanderungen sorgfältig zu planen und im Zweifelsfall umzukehren. Die jährliche Bergnotfallstatistik erstellt der SAC im Auftrag verschiedener Verbände und Institutionen im Bergsportbereich. Die Daten dazu stammen von Bergrettungsorganisationen und weiteren Institutionen.