Prestige
Oxford gegen Cambridge: Legendäres Ruderduell unter historischen Vorzeichen

Das legendäre Ruderduell der Universitäten Cambridge und Oxford elektrisiert die Massen in England. In diesem Jahr schreibt das Boat Race einige ganz besondere Geschichten – nicht nur aufgrund der Pandemie.

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In diesem Jahr ohne Zuschauer: Das Duell zwischen Oxford und Cambridge in London. (Archivbild)

In diesem Jahr ohne Zuschauer: Das Duell zwischen Oxford und Cambridge in London. (Archivbild)

EPA

(sid) Tausende begeisterte Briten drängen sich am Ufer der Themse, auf den zahlreichen Brücken oder in den stickigen Pubs in der Innenstadt. So sieht es eigentlich in London aus, wenn das legendäre Ruderduell der Universitäten Cambridge und Oxford die ganze Insel in einen Ausnahmezustand versetzt. Doch in diesem Jahr, das weiter von der Pandemie bestimmt wird, ist fast alles anders.

Die 166. Ausgabe des Boat Race steht in vielerlei Hinsicht unter historischen Vorzeichen. Erstmals in der 192-jährigen Geschichte werden die Zuschauer beim Rennen fehlen. Dort, wo sonst eine Viertelmillion Menschen am Wasser die Achter der beiden Elite-Unis anpeitscht, herrscht am Sonntag weitgehend Stille. Um das Event sicher durchführen zu können, wurde es zudem ins nördlich von London gelegene Städtchen Ely verlegt.

Erstes Rennen ausserhalb Londons

Es ist das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass die Studenten London für ihren Wettstreit verlassen müssen. Wer sich als Zuschauer dennoch an den Fluss begibt, muss mit einer Busse von über 200 Pfund rechnen. Millionen Menschen werden sich stattdessen bei der BBC-Liveübertragung eines der wichtigsten Sportereignisse Grossbritanniens vor dem Fernseher versammeln. Diese Ausgabe schreibt eben einige besondere Geschichten - nicht nur aufgrund der Pandemie.

Anders als ihre ruderverrückten Landsleute dürfte Sarah Winckless über die Änderungen hinwegsehen. Schliesslich ist sie die erste Frau überhaupt, die das Duell der Männer leiten darf. «Ich glaube, man muss es sehen, um es sein zu wollen», sagte die 47-Jährige auf die Frage, ob ihr Auftritt andere Frauen inspirieren könne. Am selben Tag ist Judith Packer als Schiedsrichterin für das Frauenrennen zuständig.

Eigentlich sollte Winckless' historische Premiere bereits im vergangenen Jahr stattfinden, das Spektakel war allerdings coronabedingt abgesagt worden. Dass ihr Auftritt nicht erneut durch die Pandemie verhindert wird, liegt insbesondere an der Verlegung nach Ely. Für die Ruderer wird das Rennen dort durch die fast ausschliesslich gerade Strecke auf dem künstlich angelegten Great Ouse zudem einfacher.

Zwei Jahre Training für 16 Minuten

Durch den Lockdown mussten sich die Männer und Frauen ohnehin grösstenteils in ihren Wohnungen vorbereiten, das Trainieren im Boot war verboten. Es fühle sich «fast surreal» an, wieder aufs Wasser zurückzukehren, sagte Sophie Paine vom Cambridge University Boat Club: «Einige von uns haben fast zwei Jahre lang trainiert, für buchstäblich etwa 16 Minuten unseres Lebens.»

Cambridge setzte sich vor zwei Jahren durch und führt in der Gesamtwertung mit 84 Siegen, Oxford steht bei 80 Erfolgen. Bei den Frauen, die seit 1927 am Start sind, liegen die «Light Blues» aus Cambridge mit 44 Siegen deutlich vor ihren Gegnerinnen. Wer sich in diesem Jahr durchsetzt, scheint vor allem aufgrund der Umstände völlig offen. Die Briten werden jedenfalls gespannt vor den Bildschirmen mitfiebern.