Fussball
Siebatcheu trifft erstmals für YB – doch Lugano knöpft dem Meister einen Punkt ab

Die Young Boys und Lugano trennen sich im Wankdorf 2:2. Der Meister führt gegen die Tessiner zweimal, die Mannschaft des gebürtigen Berners Maurizio Jacobacci belohnt sich aber für Hartnäckigkeit.

Simon Scheidegger
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Jordan Siebatcheu ist gegen Lugano die grosse Figur für die Young Boys mit seinen zwei Toren. Zum Sieg reichts trotzdem nicht.

Jordan Siebatcheu ist gegen Lugano die grosse Figur für die Young Boys mit seinen zwei Toren. Zum Sieg reichts trotzdem nicht.

Bild: Keystone

Wenn Stürmer nicht treffen, wird gern das Bild des Knotens bemüht. Des Knotens, der sich mit jeder torlosen Minute, jeder vergebenen Chance stärker in die Beine beziehungsweise den Kopf des Angreifers festsetzt - meist begleitet von Unsicherheit und Zweifeln.

Doch irgendwann kommt der Moment, in dem sich der Knoten löst, der Stürmer trifft, und alle Unsicherheiten und Zweifel verschwinden und sich stattdessen ein Gefühl der Erleichterung breitmacht.

Die hohen Erwartungen

Jordan Siebatcheu kennt diesen Gefühlswandel auch. Der französische Stürmer stiess zu Beginn der Super-League-Saison zu den Young Boys. In Rennes war seine Karriere ins Stocken geraten, weshalb er beim Serienmeister neuen Schwung holen soll, wie es schon viele vor ihm geschafft haben.

Die Erwartungen an den 24-Jährigen sind hoch - auch weil die Fussstapfen riesig sind, in die Siebatcheu zu treten hat. Er soll Guillaume Hoarau ersetzen, dessen Vertrag bei den Young Boys ausgelaufen ist. Mit Hoarau verbinden Berner Emotionen. Der zurzeit verletzte 36-jährige Sion-Stürmer ist in sechs Jahren bei YB zur Clublegende und Stadtikone aufgestiegen, hat nicht nur grossen Anteil am steilen Aufstieg der Berner zum Branchenprimus, der in drei Meistertiteln, einem Cupsieg und dem erstmaligen Einzug in die Champions-League-Gruppenphase Ausdruck findet, sondern hat sich auch ausserhalb des Fussballplatzes als Musiker und Entertainer einen Namen gemacht.

Entsprechend schwang wohl immer eine gewisse Wehmut mit, als Siebatcheu sich in seinen ersten Auftritten in Gelb-Schwarz abmühte, wenig treffsicher wirkte und auch neben dem Feld als ruhiger, zurückhaltender Mann einen so starken Kontrast bildete zum extrovertierten, bisweilen exzentrischen Hoarau, der zum Berner Rekordtorschütze aufstieg.

Die starken Konter

Doch an diesem Samstagabend im Spiel gegen Lugano, da zeigt Siebatcheu, dass er zumindest die Aufgabe des Torschützen doch übernehmen könnte. Erst verwertet er eine Flanke von Miralem Sulejmani zum 1:0. (19.) Danach beweist er Kaltblütigkeit vom Penaltypunkt, als er Torhüter Noam Baumann keine Chance lässt und so das Handspiel von Akos Kecskes, das Schiedsrichter Adrien Jaccottet nach Konsultation des Videos geahndet hatte, bestraft. (37.) Dazwischen hatte Sandi Lovric mit einem sehenswerten Schlenzer den Ausgleich bewerkstelligt (28.).

Diese Szene war sinnbildlich für die hartnäckigen Tessiner, die es dem Meister nach der starken Vorstellung am Mittwoch beim FC Basel (2:0) schwermachten und immer wieder gefährlich vor das Tor von David von Ballmoos vorstossen konnten. Die Mannschaft von Maurizio Jacobacci, die zwischenzeitlich gar Leader der Super League war, zeigte immer wieder, was sie in dieser Saison auszeichnet: Eine äusserst stabile Defensive und starkes Konterspiel. Einen solchen Gegenstoss nutzte Mattia Bottani schliesslich zum Ausgleich. (70.)

Darauf konnte die Mannschaft von Gerardo Seoane, die ohne den angeschlagenen Topskorer Jean-Pierre Nsame antreten musste, nicht mehr reagieren. Auch Siebatcheu blieb ein dritter Treffer verwehrt. Gelöster Knoten hin oder her.

Damit haben der FC Basel und der FC St.Gallen die Möglichkeit mit einem Sieg im Direktduell bis auf drei Punkte an die Berner heranzurücken.