Fussball-EM
Planlos und chancenlos: So hart urteilen die Schweizer Zeitungen über die Nati

Die Niederlage der Schweizer Nationalmannschaft gegen Italien ruft die Kritiker in der Presse auf den Plan. Der Nati fehle es an Leidenschaft und Wille.

Michael Graber
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Das Verdikt war deutlich. Und so gehen auch die Kommentare in den Schweizer Medien nach der 0 zu 3 Niederlage hart mit den Nati-Stars ins Gericht. An der Qualität würde es nicht mangeln, kommentieren die CH-Media-Blätter:

«Die Gründe für die Niederlage finden wir also weniger bei den Füssen als in den Köpfen.»

Der Unterschied liege in «Wille, Gier, Reife und Leidenschaft», die die Italiener ständig und die Schweiz nie gezeigt habe. Während bei den siegreichen Azzurri eine Mission spürbar sei, «wissen wir auch nach zwei Spielen nicht, was unsere Nationalspieler wollen und können.»

Es war nicht der Abend der Schweizer Nati. Sie verloren in Rom gegen Italien deutlich mit 3 zu 0.

Es war nicht der Abend der Schweizer Nati. Sie verloren in Rom gegen Italien deutlich mit 3 zu 0.

Keystone

«Einfach nur enttäuschend», bilanziert der «Blick» den bitteren Fussballabend. «Dass die Azzurri mehrheitlich in Ballbesitz sind, war zu erwarten. Dass sie aber auch mehr laufen, ist schwer, zu verstehen», kritisiert die Zeitung. Einer der grossen Unterschiede ortete der Kommentator im Kollektiv der Italiener:

«Bei Italien spielen nicht die grössten Stars. Bei Italien spielt die beste Mannschaft.»

Bei der Schweiz würden dagegen die Stars wie Xherdan Shaqiri spielen, «der seine mangelnde Spielpraxis nicht kompensieren kann.»

«Bittere Lektion» für Natistars

Die NZZ ortete beim Gegner mehr «Einfälle und Emotionen und Entschlossenheit». Die Schweizer Spieler seien dagegen blass geblieben:

«Sie meinten es gut – und waren doch nicht gut genug. Sie wussten, dass sie mehr tun mussten als gegen Wales – aber sie wussten nicht, wie.»

Die Zeitung hätte sich aber auch mehr Eingriffe von der Trainerbank gewünscht: «Gegen Wales und Italien hätte es mehr taktischer Impulse bedurft.» Mit dem entscheidenden Spiel gegen die Türkei stehe nun die Reifeprüfung an: «Aber vor allem ist es eine bedeutende Prüfung dieser Mannschaft und dieser Generation – sie hat die selbstgestellten Erwartungen an der EM bisher verfehlt, nicht knapp, sondern klar.»

Gerade in den ersten Minuten haben die Tamedia-Zeitungen noch gute Ansätze gesehen. Sie verpuffen aber an der italienischen Abwehr:

«Je näher das gegnerische Tor kommt, desto kraft- und chancenloser sind die Schweizer.»

Der Kommentator spart auch nicht mit Kritik an einzelnen Spielern. So erhalte Xhaka in Rom eine «bittere Lektion, was ihn von der europäischen Spitze trennt» und der Auftritt von Shaqiri sei an «Selbstgefälligkeit kaum zu überbieten». Gut für die Schweiz sei einzig, «dass das Spiel kurz vor 23 Uhr zu Ende ist.»

Noch ist das Weiterkommen möglich

«Die Nati stellte letztlich nicht viel mehr dar als einen Billettautomaten für Italiens Achtelfinal-Ticket», weiss auch «SRF» zu berichten. Die Schweizer seien meist einen Schritt zu spät gekommen und dabei offensiv harmlos geblieben. Insgesamt seien die Italiener am Mittwochabend «zwei Nummern zu gross» gewesen. Vladimir Petkovic habe es nicht geschafft, einen «funktionierenden Matchplan» auszutüfteln. Die Folge seien «überhastete Aktionen und unnötige Fehlpässe» gewesen.

Immerhin: Trotz der verdienten Niederlage hat die Nati weiterhin Chancen auf ein Weiterkommen. Ein Sieg gegen die Türkei im letzten Gruppenspiel dürfte dafür allerdings Pflicht sein.