Fussball
«Das muss aufhören»: Die Skandal-Serie in Frankreichs Stadien hält an

Dimitri Payet wird schon zum zweiten Mal Opfer einer Wurfattacke. Ausschreitungen halten den französischen Fussball seit Monaten in Atem, der Ligaverband beraumt eine Krisensitzung an.

Dan Urner
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Der nach dem Flaschenwurf angeschlagene Dimitri Payet wird vom Platz geleitet.

Der nach dem Flaschenwurf angeschlagene Dimitri Payet wird vom Platz geleitet.

Keystone

Gerade einmal gut drei Minuten sind zwischen Olympique Lyon und Olympique Marseille gespielt, als die Partie ein jähes wie unrühmliches Ende findet. Marseilles Mittelfeldstar Dimitri Payet legt sich das Leder für einen Eckball zurecht, als ihn eine Wasserflasche mit voller Wucht am Kopf erwischt. Er geht zu Boden, kann den Platz später mit Eisbeuteln verlassen. Die Partie wird von Schiedsrichter Ruddy Buquet zunächst unterbrochen – und nach rund zwei Stunden endgültig abgebrochen. Der Täter ist bereits gefasst.

Zuvor verkündet der Stadionsprecher die Fortsetzung des Spiels. Die Spieler von Lyon, darunter auch Nati-Star Xherdan Shaqiri, kehren auf das Feld zurück, jene von Marseille verlassen die Katakomben nicht mehr – ein Umstand, der Verwirrung stiftet. Pablo Longoria, Präsident von Olympique Marseille, gibt im Interview bei «Prime Video» an, Payet sei «psychisch angeschlagen» gewesen.

Zweiter Flaschenwurf gegen Payet

Dies mutet, auch beim Blick auf die Vorgeschichte, wenig verwunderlich an. Der Offensivspieler wurde am Sonntagabend bereits zum zweiten Mal Opfer eines Flaschenwurfs aus dem Publikum. Ende August war Payet beim Auswärtsspiel beim OGC Nizza von Fans mit Flaschen attackiert worden. Als der 34-Jährige die Gegenstände wutentbrannt zurück auf die Tribüne schleuderte, brach auf den Rängen ein derartiger Zorn aus, dass ein Platzsturm nicht mehr zu vereiteln war. Auch diese Begegnung wurde nicht mehr angepfiffen.

Ohnehin wird der französische Profifussball in der laufenden Saison von einer wohl beispiellosen Ausschreitungswelle heimgesucht, hässliche Szenen haben längst Einzug in den Liga-Alltag gehalten. Die Fangruppen von Marseille und dem OSC Lille sind bis Jahresende von Auswärtsspielen ausgeschlossen, zudem wurden mit Marseille, Lille und dem RC Lens bereits drei Teams der Ligue 1 mit Punktabzügen belegt. Strafen, welche die rabiaten Fans offenkundig noch immer nicht zur Räson bringen.

«Zu viel ist zu viel. Das muss aufhören»

Am späten Sonntagabend meldete sich der französische Ligaverband (LFP) zu Wort. Die LFP verurteile die Übergriffe gegen Dimitri Payet zutiefst, so die die Dachorganisation der Ligue 1. «Diese wiederholten, schlimmen Vorkommnisse zerstören das Bild unserer Liga in Frankreich und im Ausland.» Der Verband kündigte eine Krisensitzung des Disziplinarausschusses ab Montag an.

Roxana Mărăcineanu, Sportministerin Frankreichs, befand: Wenn die Vereine sich der Angelegenheit nicht sofort und «radikal» bewusst würden, komme man nicht weiter. Zudem solle die Liga ihr Reglement klären, damit ein solcher Vorfall einen unweigerlichen Spielabbruch nach sich ziehe. «Zu viel ist zu viel. Das muss aufhören.» Offenbar hatte es bei der Partie am Sonntagabend Unklarheiten über die Zuständigkeiten gegeben, was den Entscheid über den Spielabbruch quälend hinauszögerte.

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