Pferdesport
FEI streicht internationale Turniere in zehn Ländern: Herpes-Virus hält den Pferdesport auf Trab

Der dramatische Herpes-Virusausbruch beim internationalen Springturnier im spanischen Valencia lässt den Pferdesport erstarren: Mindestens sieben tote Tiere, machtlose Reiter und ein Weltverband, der den kompletten Pferdelockdown in zehn Ländern beschliesst. Der Schweizerische Verband für Pferdesport SVPS wartet ab.

Gina Kern
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Der deutsche Springreiter Mike-Patrick Leichle mit seinem Pferd, das nur noch mit Hilfe der selbstgebastelten Konstruktion stehen konnte. Leider hat das Pferd den Kampf gegen das Virus verloren.

Der deutsche Springreiter Mike-Patrick Leichle mit seinem Pferd, das nur noch mit Hilfe der selbstgebastelten Konstruktion stehen konnte. Leider hat das Pferd den Kampf gegen das Virus verloren.

Acp Andreas Pantel

«Good bye my best friend» steht über dem Foto geschrieben. Daneben ein zerrissenes rotes Herz. Es ist der letzte Gruss einer trauernden Reiterin an ihr totes Pferd. Eine erst 16-jährige deutsche Nachwuchsreiterin hat es im Internet gepostet, nachdem auch ihre zwölfjährige Stute in Valencia an den Folgen des Herpes-Virus, der besonders gefährlichen Variante EHV-1, gestorben ist.

Anfang Februar tauchten beim internationalen Springturnier im spanischen Valencia vereinzelt Fieberfälle auf. Auf die Anlage reisten Reiter aus ganz Europa mit Nachwuchs- Verkaufs- und Sportpferden. Die Pferde sollen auf die Freiluftsaison in wärmeren Gefilden vorbereitet werden. Der Turniermodus in Valencia – wie auch übrigens in anderen europäischen Südländern wie Italien und Portugal – läuft über mehrere Wochen. Ende Februar erkrankten immer mehr Tiere an Fieber, das gefährlichen Herpes-Virus EHV1 wurde identifiziert. Ein Virus, das neurologische Störungen verursachen kann und zum Tod des Tieres führen kann. Die Lage verschärfte sich dramatisch. Die Bilder der toten Pferde, die mit dem Kran abgeführt wurden, machten die Runde.

Die FEI sagt Turniere in zehn Ländern ab

Der Reitsport-Weltverband FEI (Fédération Équestre Internationale) reagierte am 1. März und sagte per Mitteilung alle internationalen Turniere in zehn europäischen Ländern bis zum 28. März ab. Derweil wurden immer mehr tote Tiere aus Valencia bekannt. Die Reiter reisten Hals über Kopf ab. Und so kam es zu mindestens drei weiteren europäischen Ländern mit HEV1-Infektionen, die ihren Ursprung in Valencia haben.

Auch in der Schweiz rückte ein Springstall in der Region Zug in den Fokus - hier wurden mehrere Pferde nach der Rückreise aus Spanien krank. Darüber reden will niemand.

Wie geht die Schweiz mit dem Virus um?

Der Schweizerische Verband für Pferdesport SVPS reagierte. In einer Mitteilung wurden die Reiter aufgefordert, potenziell infizierte Pferde zu isolieren. Pferde, die sich mit dem gefährlichen Virus angesteckt haben, entwickeln Fieber und Atemwegsprobleme. In schwerwiegenden Fällen – wie es auch in Valencia zu beobachten ist – schlägt die Viruserkrankung auf das Nervensystem und führt zu Störungen der Bewegungskoordination und zu Lähmungserscheinungen. Die Pferde können nicht mehr aufstehen und müssen unter Umständen erlöst werden. «Das ist eine Dramatik, für die Pferde, die es betrifft», sagt Tierarzt Marco Bryner, Präsident der Veterinärkommission des SVPS. «Aber man muss jetzt nicht in Hysterie ausbrechen.»

Im Zuchtland Deutschland ist - mit den Worten Bryners gesprochen - Hysterie ausgebrochen. Der Deutsche Verband hat am 2. März den Pferdelockdown beschlossen. Alle Trainings, alle Zuchtveranstaltungen, alle Turniere wurden bis Ende März gestrichen. Die Pferde müssen – analog wie wir Menschen – zu Hause bleiben. In der Schweiz nimmt man die Situation etwas gelassener. Aktuell trainieren die Dressur-Kaderreiter im Horsepark in Zürich. Und es wird eingestallt, obwohl dies ein Übertragungsrisiko darstellt. Der erfahrene FEI-Tierarzt Marco Hermann beurteilt das Verhalten des Schweizer Verbandes als nicht ideales Signal, auch wenn ein Ansteckungsrisiko sicherlich minim ist: «Wenn man sieht, wie die FEI entschieden hat, kann man sich fragen, ob ein Kadertraining zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll ist.» Denn das Virus kann, ähnlich wie das Coronavirus, über die Luft übertragen werden.

Kadertraining findet trotzdem statt

Die Schweiz wählt den liberalen Weg. Die Sportmanagerin des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport, Evelyne Niklaus: «Wir führen dieses Kadertraining durch, weil die Dressurpferde keinen Kontakt mit Pferden hatten, die kürzlich von ausländischen Turnieren in die Schweiz zurückkehrten. Und wir haben die Reiter, die aus dem Ausland kommen, namentlich Deutschland und Frankreich, nicht zum Training eingeladen.» Zudem wolle der Verband zeitnah entscheiden, wie mit dem Herpes-Ausbruch umgegangen werden soll. Wegen Corona fänden in der Schweiz bis zum 21. März sowieso keine Turniere statt. Man wolle die Situation weiter beobachten, so Niklaus weiter.

Die FEI schreibt, die Situation in Valencia sei unter Kontrolle. Doch es werden immer mehr Fälle und immer mehr tote Pferde bekannt. Das Herpes-Virus hält den Pferdesport weiterhin auf Trab.