Seltene Rückkehr
Mitten in Bern: Fischotter siedelt sich an – Tierpark gibt darum Biber-Haltung auf

Weil Fischotter die Aare erobern, muss der Tierpark Bern sein Otter-Gehege zügeln. Und er gibt die Biber-Haltung auf. Zur Herkunft der schwimmenden Marder hat das Dählhölzli eine heisse Spur.

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Da sich in der Aare wilde Fischotter angesiedelt haben, müssen die schwimmenden Marder im Tierpark Bern in ein neues Gehege – fernab des Fluss.

Da sich in der Aare wilde Fischotter angesiedelt haben, müssen die schwimmenden Marder im Tierpark Bern in ein neues Gehege – fernab des Fluss.

HO/Tierpark Bern

Fakt ist: Neben dem Fischotter-Gehege des Tierpark Bern hat sich Anfang Jahr in der Aare ein frei lebendes Exemplar eines schwimmenden Marders angesiedelt. Den Beweis dafür lieferten Fotofallen, wie das Dählhölzli am Dienstag mitteilte. Das ist einerseits eine erfreuliche Entwicklung, kehren die Fischotter nach ihrer Ausrottung in den 1990er-Jahren doch allmählich zurück in Schweizer Gewässer. Nun sogar bis mitten in die Stadt Bern.

Fakt ist ebenfalls: Der frei lebende Fischotter zwingt die Betreiber des Tierparks zum Handeln. Die «Dählhölzli»-Otter, die als Paar bislang in einem mit der Aare verbunden Gehege gehalten wurden, wurden kurzfristig vom Ufer weg verlegt. Und zwar in die bisher von Bibern bewohnte Anlage. Der Grund: Wohl um die jeweiligen Reviere zu verteidigen, würden die Tiere nämlich miteinander «interagieren», schreibt der Zoo.

Auf die Haltung der Nager will der Tierpark Bern indes künftig verzichten. «In den letzten Jahren sind die Biberspuren entlang der Aare immer augenfälliger geworden», heisst es in der Mitteilung. Anders im Dählhölzli-Gehege: Dort seien die Biber für die Besucher kaum je zu sehen gewesen. «Den selteneren Fischotter in freier Wildbahn zu entdecken, ist hingegen ungleich schwieriger», schreibt der Tierpark. Denn anders als der Biber hinterlässt der schwimmende Marder keine so deutlich erkennbaren Spuren und lebt äusserst scheu und zurückgezogen.

Fischotter kehren langsam zurück

Auch der 1952 eingeführte Schutz der Fischotter in der Schweiz konnte den Rückgang des Bestands nicht aufhalten. 1989 ist schliesslich das letzte Exemplar am Neuenburgersee gesichtet worden. Seit gut 15 Jahren kämpfen sich Herr und Frau Fischotter wieder zurück in die hiesigen Fliessgewässer – namentlich an der Aare, am Hinterrhein, Ticino und an der Rhone. Während die meisten Fischotter dabei auf eigenen Pfoten in die Schweiz einwandern, besteht am Aarelauf zwischen Bern und Thun der Verdacht, dass die Population aus dem Tierpark selbst stammen könnte.

Denn 2005, bei einem Jahrhunderthochwasser, konnten die Fischotter aus der damaligen Anlage entweichen. Erst nach einiger Zeit konnten sie wieder eingefangen werden. «Es ist gut möglich, dass sich diese in der Zeit fortgepflanzt haben und deren Nachkommen überlebten», schreibt der Tierpark Bern. Seit bald zehn Jahren sei sogar wiederholt Nachwuchs an der Aare um Bern festgestellt worden. (sat)

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