Hörspiele
Erste Globi-Folgen sind wieder auf Spotify: Alle Kapitel sind neu geschnitten

Der Vogel der Nation muss sich dem Diktat aus Schweden beugen. Die Abenteuer von Globi wurden neu geschnitten und sind darum zumindest teilweise wieder auf Spotify zu finden.

Michael Graber
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Ihr gemeinsamer Auftritt ist wieder online: Kasperli und Globi.

Ihr gemeinsamer Auftritt ist wieder online: Kasperli und Globi.

Globi ist eingeknickt. Auf dem Streamingdienst Spotify sind wieder zahlreiche der Abenteuer des lustigen Vogels verfügbar. So treibt der Gelbschnabel wieder im Nationalpark sein Unwesen, hilft der Polizei und auch das Abenteuer mit dem Kasperli ist wieder streambar.

Erst unlängst sind sowohl die Kasperli-Folgen wie auch die Geschichten von Globi von Spotify verschwunden. Hintergrund ist ein Streit um die Dauer der einzelnen Kapitel. Der schwedische Streaming-Gigant möchte, dass bei Hörspielen eine Mindestlänge von 3 Minuten pro Kapitel gilt. Dabei geht es um die Abgeltung. Spotify bezahlt pro Play, also pro gespieltes Kapitel.

Im Falle von «Globi und Kasperli» bestand die Geschichte (erschienen 1989) eigentlich aus 24 Kapiteln. Bei einer Spielzeit von 44 Minuten macht dies nicht einmal 2 Minuten pro Kapitel. Alles aber notabene festgelegt, bevor Spotify 2006 überhaupt gegründet wurde. Nun sind es bei der Folge, die eben online gestellt wurde, noch 14 Kapitel. Alle haben eine Spieldauer von über 3 Minuten, meist sind es aber nur wenige Sekunden mehr.

Es geht um viel Geld

Das Geschäftsmodell von Spotify ist undurchsichtig. Grundsätzlich kann aber folgende Faustregel angewandt werden: Pro 1 Million Plays gibt es rund 4000 Franken. Nehmen wir nun an, dass die Folge von «Globi und Kasperli» rund 100'000-mal abgespielt wird, so entgegen dem Rechteinhaber durch die Kapitelreduktion 4000 Franken.

Das mag nach wenig klingen, ist aber in Zeiten von erodierenden CD-Verkäufen ein schöner Batzen. Vor allem, wenn es auf die Gesamtzahl von rund 50 Globigeschichten hochgerechnet wird. Dann werden aus den 4000 Franken 200'000 Franken.

Dementsprechend widerwillig wurde die Reduktion auch durchgeführt. Zwar will sich Phonag, wo die Globi-Hörspiele ihre Heimat haben, nicht wirklich negativ äussern – mit Spotify, dem wichtigsten Player im Streaminggeschäft, will es sich niemand verscherzen. Sie würden «mit Hochdruck» an weiteren Uploads arbeiten, heisst es bei Phonag auf Anfrage. Bereits seit knapp einem Jahr hätte Spotify wiederholt Fristen gesetzt, damit die Vorgaben eingehalten werden. Den Gesamtaufwand für die Anpassungen bei ihrem Hörspielkatalog beziffert Phonag auf «einen niedrigen fünfstelligen Bereich».

Plötzlich ein paar Lieder zusätzlich

Der Widerwille ist auch daran ersichtlich, dass nun plötzlich noch drei Globi-Lieder an die Geschichte vom Globi und Kasperli angehängt wurden. Und so ertönten nach dem Abenteuer mit dem Räuber Schniff-Chlau noch das «Hopp-Schwiiz-Lied», «Eleige chunnt mer halb so wiit» und «S'Chlinst isch plötzli riisegross». Hat zwar nix mit der Geschichte zu tun, aber generiert immerhin noch einmal 3 Plays. Das ist auch bei anderen Geschichten der Fall.

Spotify selber reagiert seit mehreren Tagen nicht auf eine entsprechende Anfrage von CH Media. In der Schweiz hat der Dienst 2,2 Millionen Nutzerinnen und Nutzer und dürfte dabei mehr als 200 Millionen Franken umsetzen. Auch mehrere deutsche Hörspiele, darunter auch «die drei ???», waren zeitweise von Einschränkungen betroffen. Mittlerweile scheint vielerorts aber eine Lösung gefunden worden zu sein.

Immer noch nicht zu finden sind auf Spotify die Folgen vom Kasperli mit Jörg Schneider. Aber auch dort ist es wahrscheinlich, dass all die Folgen neu geschnitten werden. Es bleibe kaum eine andere Wahl, hiess es letzte Woche beim zuständigen Verlag.

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