Unfallstatistik
Meist selbstverschuldet: Zahl der tödlichen Velounfälle hat sich fast verdoppelt

Die Zahl der Verkehrstoten ist im letzten Jahr angestiegen. Die stärkste Zunahme gab es bei den Velofahrern: 29 kamen ums Leben, 19 davon innerorts, 21 aus eigenem Verschulden.

Peter Walthard
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Im Pandemiejahr wurde vermehrt Velo gefahren. Eine starke Zunahme der Todesopfer gab es bei älteren Lenkern. (Symbolbild)

Im Pandemiejahr wurde vermehrt Velo gefahren. Eine starke Zunahme der Todesopfer gab es bei älteren Lenkern. (Symbolbild)

Keystone

Im Pandemiejahr 2020 stellten viele Menschen ihr Mobilitätsverhalten um, was sich in den Zahlen der Strassenverkehrsunfallstatistik des Bundesamts für Strassen (Astra) niederschlägt. Entgegen dem langjährigen Trend gab es 2020 erstmals wieder mehr Verkehrstote als im Vorjahr: Die Zahl der Todesopfer stieg von 187 auf 227, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Statistik hervorgeht.

Am stärksten war die Zunahme bei den Velofahrer. Unter ihnen gab es rund 80 Prozent mehr Tote als noch im Vorjahr, in absoluten Zahlen 29 statt 16. Den stärksten Zuwachs verzeichnete die älteste Altersgruppe: Gab es unter den 65- bis 84-Jährigen 2019 nur sechs Velotote, waren es 2020 14. Der Grossteil der Velofahrer verunglückte innerorts, nur sieben Todesfälle ereigneten sich auf Radwegen oder auf dem Trottoir. Die Statistik zeigt auch, dass Fahrradfahrer die tödlichen Unfälle meist selbst verschuldeten: In 21 Fällen waren die Getöteten selbst die Unfallverursacher gewesen.

Separat erfasst werden vom Astra Unfälle mit E-Bikes. Auch hier gab es einen Anstieg, von 11 auf 15 Todesopfer. Dazu kamen 522 Schwerverletzte. Ursache seien meist Selbst- und Schleuderunfälle gewesen, schreibt das Astra. Es sei anzunehmen, dass die Pandemie mitverantwortlich für die Zunahme der Velounfälle sei: «Die mit einem Velo und E-Bike zurückgelegten Distanzen haben im zweiten und dritten Quartal deutlich zugenommen», heisst es in einer Mitteilung zur Statistik.

Töff-Fans wollten letzte Chance nutzen – und verunfallten teilweise schwer

Eine weitere Ursache für den Anstieg der Zahl der Verkehrstoten vermutet das Astra in der Neuregelung der Motorradprüfung. Weil Anfänger das Billet für schwere Töffs ab diesem Jahr nicht mehr direkt machen dürfen, versuchten 2020 viele Motorradnovizen, die letzte Chance auf eine schwere Maschinen zu nutzen. Insgesamt stieg die Zahl der getöteten Motorradfahrer von 30 auf 52. 998 wurden schwer verletzt, 230 von ihnen waren Lernfahrer.

71 Personen starben 2020 in einem Personenwagen, wobei die Zahl der alkoholbedingten Todesopfer von 11 auf 17 stieg. Unter den Verkehrstoten sind auch 36 Fussgänger, wovon knapp die Hälfte ihr Leben auf dem Fussgängerstreifen verlor. Mit «fahrzeugähnlichen Geräten» wie Trottinettes oder Skateboards gab es 57 Schwerverletzte und zwei Tote, wobei in dieser Kategorie Kinder und Jugendliche am stärksten betroffen waren, wie das Astra schreibt.