Studie
Weniger Brandtote: Feuerschäden nehmen ab, Naturschäden aber zu

Dank Brandschutzvorschriften und Prävention nimmt die Zahl der Brandfälle in der Schweiz ab. Dagegen droht mehr Ungemach durch Naturgefahren, wie eine Studie der Gebäudeversicherungen nahelegt.

Ann-Kathrin Amstutz
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Blitzeinschläge sind für fast zwei von fünf Bränden verantwortlich – so auch für den Brand von zwei Häusern im Zürcher Oberweningen Anfang August. (Archivbild)

Blitzeinschläge sind für fast zwei von fünf Bränden verantwortlich – so auch für den Brand von zwei Häusern im Zürcher Oberweningen Anfang August. (Archivbild)

Kapo Zürich

Ein Brand in den eigenen vier Wänden ist ein Schreckensszenario. Beruhigend sind da die Ergebnisse einer Studie der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG), die am Mittwoch publiziert wurde. Sie legt nahe, dass die Zahl der Brände ebenso wie der brandbedingten Todesfälle in den letzten dreissig Jahren markant abgenommen hat. Die Zahlen beruhen auf Schadendaten von 19 kantonalen Gebäudeversicherungen, bei den Todesfällen stammen die Daten aus allen Kantonen.

Laut der Vereinigung gibt es mehrere Gründe für den Rückgang: Zum einen würden die schweizweit gültigen Brandschutzvorschriften Wirkung zeigen. Zum anderen fruchte die Prävention in der Brandverhütung. Auch Verbesserungen im Feuerwehrwesen machten sich bemerkbar.

Brandstiftungen sind selten, führen aber zu hohen Schadensummen

Die Zahlen der letzten dreissig Jahre zeigen: Kommt es doch zu einem Brand, ist die häufigste Ursache ein Blitzeinschlag – nämlich in fast zwei von fünf Fällen. Jedoch machen sie nur rund einen Zwanzigstel der Schadensumme aus. Dies, weil indirekte Blitzschläge laut der VKG «im Allgemeinen nur geringe Schäden verursachen» und auch direkte Blitzschläge «oft nicht zu einem Vollbrand, sondern einzig zu mechanischen Schäden» führen.

Blitzeinschläge sind am häufigsten für Brände verantwortlich. Nur bei jedem 25. Feuerausbruch ist Brandstiftung die Ursache.

Blitzeinschläge sind am häufigsten für Brände verantwortlich. Nur bei jedem 25. Feuerausbruch ist Brandstiftung die Ursache.

VKG

Genau das umgekehrte Bild zeigt sich bei Brandstiftungen. Diese sind zwar nur für jeden 25. Brand verantwortlich, doch führen meist zu hohen Schadensummen. So machen Brandstiftungen fast 12 Prozent der gesamten Schadensumme aus. Oft ziele Brandstiftung auf eine möglichst hohe Schadenwirkung ab, so die Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen – insbesondere bei beabsichtigtem Versicherungsbetrug oder der Vertuschung anderer Straftaten.

Häufige Brandursachen sind auch elektronische Geräte (rund ein Viertel der Fälle) und Feuerwaren wie Kerzen, Zündhölzer oder Feuerzeuge (knapp ein Sechstel der Fälle). Letztere sind auch verantwortlich für eine Saisonalität der Fälle während der kühleren Monate von Oktober bis April. Zudem enden solche Brände überdurchschnittlich oft tödlich: Sie sind für 30 Prozent der Todesfälle verantwortlich. Dies zeigt laut der VKG, «wie wichtig Aufklärungskampagnen neben einem klugen Brandschutz sind».

Naturschäden haben sich seit 1950 fast verdreifacht

Im Gegensatz zu Brandschäden nehmen jedoch sowohl die Schadenfälle als auch die Schadensumme durch Naturgefahren zu. Wie die VKG in der Studie schreibt, haben die sogenannten Elementarschäden die Feuerschäden «in den letzten Jahren wiederholt übertroffen». Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts haben sich die Schäden gegenüber der Mitte des 20. Jahrhunderts fast verdreifacht.

Was die Ursachen für Naturschäden betrifft, machen Hagel und Überschwemmungen gemeinsam fast vier von fünf Schadenfällen aus. Der restliche Fünftel entfällt hauptsächlich auf Sturmschäden, selten sind Schnee-, Rutsch- und Lawinenschäden.

Die Zunahme der Elementarschäden hat laut der VKG verschiedene Gründe. So seien gewisse Schadenereignisse wie Hagel oder Hochwasser häufiger aufgetreten. Im Unwettersommer 2021 belief sich die gesamte Schadensumme auf über eine Milliarde Franken. Daneben müsse auch «eine Zunahme der Gebäudeverletzlichkeit» in Betracht gezogen werden. Insbesondere in Bezug auf Hagelschäden gebe es darauf konkrete Hinweise.

Hinzu kommt die dichte Besiedelung in der Schweiz: Diese habe zur Folge, dass für Neubauprojekte «oft in durch Naturgefahren stärker gefährdete Gebiete» ausgewichen werden muss. Personen, die in solchen Gefahrenzonen leben, sind laut VKG «generell einem höheren Sterberisiko ausgesetzt». Mit der Erstellung und Umsetzung von Naturgefahrenkarten und Präventionsmassnahmen versuche man, dieser Entwicklung entgegenzutreten.

Dabei stellt sich aber die Herausforderung, dass gegen unterschiedliche Naturgefahren auch unterschiedliche Schutzmassnahmen nötig sind: «Ein optimal gegen Überschwemmung geschütztes Gebäude ist nicht zwingend auch gegen Hagel unempfindlich», wie die VKG schreibt.

Schadenentwicklung hängt von Baumaterialien ab

Bezüglich Prognosen, wie sich die Schäden künftig entwickeln werden, gibt sich die Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen zurückhaltend. Die künftigen Gebäudeschäden würden stark davon abhängen, welche Bauelemente und -materialien an dannzumal erstellten Gebäuden verbaut werden.

Dass extreme Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels zunehmen werden, ist bekannt. Jedoch lasse sich der Einfluss des Klimawandels bezüglich Unwetterschäden noch nicht von anderen Faktoren wie Verletzlichkeit, Teuerung, Wertezunahme oder Zunahme der genutzten Flächen isolieren, schliesst die VKG.