säkularisierung
In der Schweiz gibt es mehr Konfessionslose als Reformierte

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Reformierten in der Schweiz stark zurückgegangen. Mittlerweile bekennt sich nur noch etwas mehr als ein Fünftel der Bevölkerung zur reformierten Kirche.

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Vom Sockel geholt: Noch vor hundert Jahren dominierten die Reformierten die Schweiz, nun sind sie eine kleine Minderheit.

Vom Sockel geholt: Noch vor hundert Jahren dominierten die Reformierten die Schweiz, nun sind sie eine kleine Minderheit.

Keystone

(wap) Die katholische Kirche bleibt die stärkste religiöse Kraft in der Schweiz: Rund jeder dritte Einwohner bekannte sich 2019 zum römisch-katholischen Glauben. Dies geht aus Zahlen hervor, die das Bundesamt für Statistik am Dienstag veröffentlicht hat. Als zweitgrösste Gruppe folgen in der Religionsstatistik die Konfessionslosen, deren Anteil auf 29,5 Prozent angestiegen ist. Nur noch 22,5 Prozent bekannten sich zur evangelisch-reformierten Konfession.

Damit hat sich der Bedeutungsverlust der Reformierten im letzten Jahrzehnt weiter beschleunigt. Noch 2010 waren die Reformierten mit 28 Prozent zweitstärkste religiöse Kraft. Doch während der Anteil der Reformierten seither um rund einen Fünftel schrumpfte, stieg jener der Konfessionslosen von 2010 bis 2019 um rund 47 Prozent an.

Vor hundert Jahren hatten die Reformierten die religiöse Landschaft der Schweiz dominiert: Ihr Anteil an der ständigen Wohnbevölkerung betrug 1920 noch 57,5 Prozent. Erst nach dem zweiten Weltkrieg begann die reformierte Schweiz zu schrumpfen, die katholische dagegen wuchs: 1970 erreichten die beiden Konfessionen erstmals Gleichstand.

Islamische Gemeinschaften klein, aber stark am wachsen

Damals war man in der Schweiz entweder katholisch oder protestantisch: Zusammen brachten es die beiden Konfessionen auf 95,5 Prozent der Bevölkerung. Zwei Prozent bekannten sich 1970 zu einer anderen christlichen Konfession, islamische Glaubensgemeinschaften waren mit einem Anteil von 0,2 Prozent eine exotische Erscheinung.

Letztere verzeichneten in den Jahren zwischen 1990 und 2010 ein starkes Wachstum: Machten sie 1990 noch 1,6 Prozent der Bevölkerung aus, waren es 2010 bereits 4,5 Prozent. Dies entspricht einem Wachstum von rund 180 Prozent. Seit 2010 ist der Anteil der Muslime langsamer gewachsen, insgesamt um rund 22 Prozent: 2019 betrug er 5,5 Prozent.