Pandemie
Impfchef Christoph Berger: Schweiz muss schneller und flexibler werden

Bis Ende Juni erhält die Schweiz 8 Millionen Impfdosen. Damit diese auch verimpft werden, brauche es mehr Tempo, aber auch Flexibilität, sagt der Schweizer Impfchef Christoph Berger.

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Der Präsident der Impfkommission fordert eine flexiblere Impfkampagne. Wenn sich für einen Termin niemand meldet, soll er kurzfristig an andere Menschen vergeben werden.

Der Präsident der Impfkommission fordert eine flexiblere Impfkampagne. Wenn sich für einen Termin niemand meldet, soll er kurzfristig an andere Menschen vergeben werden.

Keystone

(agl) Die Schweiz muss jetzt vorwärts machen, sagt Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (Ekif), im Interview mit dem «Tagesanzeiger». «Es darf nicht mehr sein, dass wir wie nach Ostern plötzlich mehrere Tausend freie Impftermine hatten, weil ältere Personen sich einfach nicht gemeldet haben.» Deshalb sei es wichtig, in Zukunft viel flexibler zu sein und bei freien Terminen stattdessen anderen Menschen kurzfristig die Möglichkeit zu geben, sich impfen zu lassen.

Ein höheres Impftempo trage auch dazu bei, die Hospitalisationen in der dritten Welle abzuschwächen. Er hoffe, dass die Impfungen jetzt in allen Kantonen auf Hochtouren laufen, so Berger. «Von mir aus könnte man auch am Samstag impfen. Die Leute warten darauf.» So seien in den Kantonen Genf und Waadt bereits 50-Jährige an der Reihe mit Impfen.

Lockerungen «mutig und riskant»

Was die Impfstoffreserven betrifft, geht es laut Berger um eine Risikoabwägung. «Natürlich könnte es unter Umständen auch Verzögerungen geben», so der Impfchef. Eine Lieferverzögerung könne beispielsweise im Kanton Zürich dazu führen, dass auf einmal mehr als 10'000 Termine verschoben werden müssten. Es brauche gute Modellierungen, um abzuschätzen, wie viele Impfdosen als Reserve für die zweite Dosis zurückgehalten werden sollen.

Die Lockerungen, die der Bundesrat am vergangenen Mittwoch beschlossen hat, hält Berger für «sehr mutig und riskant», wie er gegenüber dem «Tagesanzeiger» sagt. Doch es gebe einen enormen Druck aus Wirtschaft und Bevölkerung. «Als Kinderarzt sehe ich auch die Seite der Jugendlichen», so Berger weiter. Man müsse die Situation sehr ernst nehmen, da einige auch suizidgefährdet seien. Auch hier gehe es um eine Risikoabwägung, sagt der Impfchef.