Pandemie
Bundesrat glättet Wogen: Jetzt kommt das Covid-Zertifikat light für Genesene

Die Zertifikatspflicht gilt sicherlich bis Mitte November. Der Bundesrat kommt Genesenen jedoch etwas entgegen. Das bisherige Zertifikat soll künftig ein Jahr lang gültig sein. Neu sollen Genesene auch mit einem Antikörpertest zu einem Zertifikat light kommen.

Reto Wattenhofer
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Vom Coronavirus Genesene erhalten heute nicht in jedem Fall ein Zertifikat. Voraussetzung ist, dass sie einen positiven PCR-Test vorweisen. Wer diesen nicht hat, besitzt – trotz durchgemachter Krankheit – denselben Status wie Ungeimpfte. Nun möchte der Bundesrat den Zugang zum Zertifikat im Inland für bestimmte Personengruppen erleichtern, wie Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien in Bern ausführte.

Gesundheitsminister Alain Berset präsentierte die Vorschläge für ein Extrazertifikat für Genesene.

Gesundheitsminister Alain Berset präsentierte die Vorschläge für ein Extrazertifikat für Genesene.

Keystone

Konkret schlägt er die Einführung eines «Schweizer Covid-Zertifikates» vor – eine Art Zertifikat light. Dieses soll auf Grundlage eines serologischen Tests ausgestellt werden. Bei diesen Tests wird geschaut, ob jemand in seinem Blut über Antikörper verfügt. Das Zertifikat wäre 90 Tage gültig, jedoch nur in der Schweiz, betonte Berset. Dadurch gerate man nicht in Konflikt mit den Regeln in der EU.

Konsultation gestartet

Gleichzeitig möchte der Bundesrat die Gültigkeitsdauer aller bislang ausgestellten Zertifikate für Genesene um sechs Monate auf ein Jahr verlängern. Die verfügbaren Daten belegten eine ausreichende Schutzwirkung vor schweren Erkrankung und Hospitalisation. Einmal mehr sei die Schweiz liberaler als andere europäische Länder, erklärte Berset.

Damit nimmt der Bundesrat Anliegen einzelner Kantone und des Parlaments auf. Allerdings steht der definitive Entscheid noch aus. Bis nächsten Dienstag gehen die Vorschläge bei den Kantonen in Konsultation. Beschliessen wird der Bundesrat das neue Regime dann am 3. November.

Bundesrat zeigt Herz für Tourismus

Gewirkt hat offensichtlich der Druck der Tourismusbranche. Aktuell erhalten ausländische Feriengäste ein in der Schweiz gültiges Zertifikat nur dann, wenn sie mit einem in Europa zugelassenen Impfstoff geimpft wurden. Das benachteiligt vor allem Touristen aus China und dem asiatischen Raum.

Der Bundesrat schlägt nun vor, dass es auch reicht, wenn der Impfstoff von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugelassen wurde – wie dies bei Sinovac und Sinopharm der Fall ist. Das Zertifikat wäre 30 Tage gültig.

Bundesrat versucht den Spagat

Im Vorfeld wurde auch spekuliert, dass der Bundesrat am Mittwoch das baldige Ende der ausgeweiteten Zertifikatspflicht einläuten könnte. Daraus wird vorderhand nichts. Angesichts der kühleren Jahreszeit, der stagnierenden Fallzahlen und der relativ tiefen Impfquote seien die Risiken für eine Lockerung noch zu gross, argumentiert der Bundesrat. Berset verwies auf die negative Entwicklung in Israel und die Niederlande. Mitte November wird der Bundesrat die Situation erneut beurteilen.

Mit diesem Vorgehen möchte der Bundesrat die Wogen glätten. Er schielt dabei auch auf das Covid-Gesetz, das Ende November erneut an die Urne kommt. In den letzten Wochen ist der politische Druck auf den Bundesrat gestiegen. Die Kritik an der Zertifikatspflicht kommt nun nicht mehr nur von der SVP.

Auch bei der politischen Linken regt sich unterdessen Unmut. Die Solothurner SP-Nationalrätin Franziska Roth sagte kürzlich, es sei an der Zeit, die Zertifikatspflicht in Frage zu stellen. Sie führte dabei die Grundrechte ins Feld und warnte vor den schädlichen Folgen – etwa für psychisch Kranke und ungeimpfte Studierende. Umstritten ist die Zertifikatspflicht auch bei der Mitte-Partei.

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