Pandemie
Corona-Experten: Wegen hoher Belastung fehlen zum Teil Fachkräfte in Spitäler

Die Situation auf den Intensivpflegestationen der Spitäler macht den Corona-Experten weiter Sorgen. Die hohe Belastung führe teilweise auch zu einem Verlust an Fachkräften, der schwierig wettzumachen sei.

Dario Pollice
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Die Berner Kantonsärztin Linda Nartey zeigte sich besorgt über die hohe Belastung der Gesundheitsfachkräfte.

Die Berner Kantonsärztin Linda Nartey zeigte sich besorgt über die hohe Belastung der Gesundheitsfachkräfte.

Keystone

Die Schweiz befindet sich mitten in der vierten Pandemiewelle. In den vergangenen Tagen scheinen sich die Fallzahlen und Hospitalisationen auf hohem Niveau stabilisiert zu haben. Doch von einer Beruhigung könne nicht die Rede sein, warnten die Corona-Experten des Bundes am Dienstag vor den Medien in Bern.

Aufgrund der Delta-Variante befänden sich nun auch jüngere, ungeimpfte Personen auf den Intensivstationen, sagte Virginie Masserey vom Bundesamt für Gesundheit (BAG). «Die Hälfte der ungeimpften Covid-Patienten ist unter 53 Jahre alt». Diese Patienten hätten im Gegensatz zu den vorherigen Wellen keine chronischen Vorerkrankungen und müssten auch länger auf der Intensivstation behandelt werden.

Genau diese schweren Krankheitsfälle machen den Corona-Experten Sorgen. «Wir müssen die Situation in den Spitälern sehr ernst nehmen», sagte die Berner Kantonsärztin Linda Nartey. Die Intensivpflegestationen stünden derzeit unter hohen Belastung. Dies sei unter anderem auch ein Grund, wieso Fachpersonen teilweise verloren gegangen seien und nicht ersetzt werden konnten. Deshalb ist es gemäss Nartey auch nicht möglich «einfach mal so» neue Intensivplätze zu schaffen. «Es fehlt das Fachpersonal dazu».

Wie sich die Situation nun weiter entwickle, sei schwierig vorauszusehen, sagte die Berner Kantonsärztin weiter. Aber: «Die Erfahrung lehrt uns, dass mit dem Lauf der Jahreszeiten und den stark reduzierten Massnahmen die Ansteckungen und schweren Krankheitsfälle stärker steigen werden».

Noch keine Richtwerte für erweiterte Zertifikatspflicht

Zu reden gab auch die mögliche Ausweitung der Zertifikatspflicht, welche der Bundesrat in Aussicht gestellt hat. Derzeit werde diskutiert, ob solch eine Ausweitung einer unverhältnismässigen Einschränkung von Ungeimpften gleichkäme, sagte Nartey. Allerdings müsse auch die Frage gestellt werden, ob es verhältnismässig ist, wenn Patienten aus anderen Gründen als Covid eine Intensivbehandlung benötigen und in Konkurrenz stehen mit verhinderbaren Covid-Erkrankten. «Eine Krise erfordert solidarische Einschränkungen von uns allen», so die Kantonsärztin.

Die Konsultation unter den Kantonen hat gezeigt, dass eine Mehrheit die Ausweitung der Zertifikatspflicht befürwortet. Doch welche Richtwerte für eine Ausweitung gelten sollen, hat der Bundesrat bei seinem Vorschlag nicht präzisiert. Auch Viriginie Masserey vom BAG sagte vor den Medien, dass es «keine konkreten Richtwerte» gebe. Diverse Faktoren würden berücksichtigt, wobei die Auslastung der Spitäler sicher mitentscheidend sei.

Über eine Wiedereinführung der Einreisequarantäne werde beim BAG ebenfalls diskutiert. Kürzlich sagte auch Bundesrat Alain Berset, dass mit Blick auf die Herbstferien die Reisequarantäne wieder eine Rolle spielen könnte. Allerdings wandte Masserey ein, dass die Inzidenz derzeit auch in der Schweiz relativ hoch sei. Da mache eine Anpassung der Einreisebestimmungen keinen grossen Unterschied.

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