Marco Borradori
Tausende nehmen Abschied von Luganos verstorbenem Stadtpräsidenten

An einer Trauerfeier verabschiedete sich das Tessin am Dienstag von Lega-Politiker Marco Borradori. Der Stadtpräsident von Lugano ist vergangene Woche überraschend verstorben.

Gerhard Lob, Lugano
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Die Gedenkfeier für den Lega-Politiker Marco Borradori fand am Dienstag im Luganeser Fussballstadion Cornaredo statt.

Keystone/SDA

Das Tessin hat sich am Dienstag von Luganos verstorbenem Stadtpräsidenten Marco Borradori verabschiedet. Bei der eineinhalbstündigen Trauerfeier im Stadion Cornaredo würdigten alle Redner die Liebenswürdigkeit und Grosszügigkeit des verstorbenen Politikers. Dieser hatte vergangene Woche beim Joggen einen Herzstillstand erlitten und war einen Tag später im Spital gestorben. Borradori wurde 62 Jahre alt.

Borradori hat als Vertreter der rechtspopulistischen Lega dei Ticinesi 30 Jahre lang Politik gemacht: als Nationalrat im Bundeshaus, 18 Jahre lang als Staatsrat des Kantons Tessin und seit 2013 schliesslich als Stadtpräsident von Lugano. Borradori gehörte dabei stets dem gemässigten Flügel der Lega an, als Gegenpart zum ruppigen Teil der rechtspopulistischen Tessiner Partei.

«Marco hat das Tessin geliebt»

Ignazio Cassis würdigte seinen ehemaligen Schulkameraden – beide besuchten das Gymnasium von Lugano – in der Trauerfeier in einer sehr persönlichen Rede. «Damals lag das Leben vor uns wie ein unendliches Abenteuer», sagte der Tessiner Bundesrat. Denn wenn das Ende fern sei, scheine es fast inexistent. Nach der Schule hätten sich die Wege dann getrennt, auch wenn beide in Zürich studierten.

Für den Staatsrat überbrachte Norman Gobbi als Vorsteher des Justizdepartements und Parteikollege das Beileid an die Angehörigen. Gobbi erinnerte an die politische Karriere Borradoris, ebenfalls an seine unglaubliche Grosszügigkeit: «Marco hat das Tessin geliebt, und das Tessin hat Marco geliebt.»

Kritik in den letzten Monaten

Einige kritische Bemerkungen brachte Andrea Leoni als Freund des Verstorbenen ein. Die letzten Monate seien für Marco Borradori zu einer nie gekannten Belastung geworden. Damit spielte er auf Kritik und Anfeindungen an, welche der Stadtpräsident in Zusammenhang mit der Räumung und dem Teilabriss des Autonomen Zentrums von Lugano Ende Mai erhalten hatte. «Das hat ihn tief verletzt», so Leoni, bevor er ihm «Ciao Marco!» zurief.

Zum Abschluss der Gedenkfeier am Dienstagvormittag segnete Bischof Valerio Lazzeri den verstorbenen Stadtpräsidenten. Unter lang anhaltendem Applaus der Anwesenden wurde der Sarg schliesslich in den Leichenwagen gelegt. Er war mit weissen Rosen geschmückt. Auf einem Band stand der Name seiner Tochter Carlotta. Am Dienstagabend, 18.10 Uhr, sollen in Lugano dann noch Glocken läuten. Borradori war am vergangenen Mittwoch genau um diese Uhrzeit verstorben.

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