Krankheit
Bund sensibilisiert für Tuberkulose-Gefahr bei ukrainischen Geflüchteten

Die Ukraine gilt als Hochrisikoland für multiresistente Tuberkulose. Nun will der Bund die Schweizer Ärztinnen und Ärzte sowie die Geflüchteten für die Krankheit sensibilisieren.

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Tuberkulose ist unbehandelt eine tödliche Krankheit. (Symbolbild)

Tuberkulose ist unbehandelt eine tödliche Krankheit. (Symbolbild)

Keystone

Am Sonntag zählte das Staatssekretariat für Migration (SEM) 44'529 registrierte Geflüchtete aus der Ukraine in der Schweiz. Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass einige von ihnen an Tuberkulose leiden. Denn gemäss Lungenliga gilt die Ukraine als Hochrisikoland für multiresistente Tuberkulose. Die Infektionskrankheit komme dort etwa fünfzehn Mal häufiger vor als in der Schweiz, schreibt das Kompetenzzentrum Tuberkulose der Lungenliga in einem Kommentar.

Daher wird jetzt auch der Bund aktiv. David Keller, Leiter Sonderstab Asyl beim SEM, kündigte in der SRF-Sendung «Heute Morgen» eine neue App an. «Es wird in der nächsten Zeit ein Instrument geben, mit dem sich die Geflüchteten selbst überprüfen können, ob sie gewisse Risiken haben», sagte er. «Die App meldet ihm dann, ob er sich an einen Arzt wenden sollte.»

Ärzte sollen genau hinschauen

Auch die Ärztinnen und Ärzte wurden informiert, damit sie mögliche Infektionen mit Tuberkulose auf dem Radar haben – etwa bei einem scheinbar harmlosen Husten. «Aus unserer Sicht ist das wichtigste, dass die betreuenden Ärzte daran denken, dass die Tuberkulose eine mögliche Erklärung sein kann für zum Teil auch leichte Symptome für Husten oder Gewichtsverlust», sagte Otto Schoch vom Kompetenzzentrum Tuberkulose. Sie sollten auch wissen, dass die Krankheit bei Geflüchteten aus der Ukraine deutlich häufiger vorkomme als bei der Schweizer Wohnbevölkerung.

Eine Herausforderung sind dabei die multiresistenten Tuberkulose-Erreger. «Die durchschnittlichen betreuenden Hausärzte haben damit keine Erfahrung», sagte Schoch. Eine andere Problematik seien die Kosten. «Eine Behandlung einer multiresistenten Tuberkulose ist deutlich kostspieliger als die Behandlung einer Standardtuberkulose».

Tuberkulose ist gemäss dem Kompetenzzentrum nach wie vor «eine der tödlichsten Infektionskrankheiten» der Welt. Sie wird durch eine Tröpfcheninfektion übertragen und die Bakterien befallen meistens die Lunge. Eine Ansteckung kann erst nach zwei Monaten nachgewiesen werden. In der Schweiz ist die Krankheit jedoch selten geworden: Jährlich gibt es laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) rund 550 Erkrankungen. (abi)