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Wer sein Göttikind bei sich aufnehmen will, braucht künftig eine Ausbildung

Die Sozialdirektorenkonferenz der Kantone will die Betreuung von Pflegekindern stärker professionalisieren – auch bei Verwandten. Damit reagiert sie auch auf Kritik der Uno.

Peter Walthard
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Kinder sollen gehört werden: Die Sozialdirektoren wollen die Kinderrechte im Pflegekinderwesen stärken. (Symbolbild)

Kinder sollen gehört werden: Die Sozialdirektoren wollen die Kinderrechte im Pflegekinderwesen stärken. (Symbolbild)

Keystone

Mehr Partizipation und Mitsprache für Pflegekinder: Dies versprechen sich die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK) und die Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz (KOKES) von ihren am Freitag veröffentlichten neuen Empfehlungen zum Pflegekinderwesen.

Ziel ist es, dass diese schweizweit zum Standard werden. Allerdings würden die Kantone das Tempo und die Schwerpunkte der Umsetzung selber bestimmen, heisst es in einer Mitteilung. In der Schweiz leben rund 18'000 Kinder in Pflegefamilien oder in einem Heim. Rund ein Drittel dieser Fremdplatzierungen wird von den Behörden angeordnet.

Die Empfehlungen sind das Resultat eines zweijährigen Prozesses: Während dieser Zeit haben die Konferenzen untersucht, was in den Kantonen im Pflegekinderwesen funktioniert und was nicht. Der Uno-Kinderrechtssauschuss hatte 2015 bemängelt, dass die Schweiz im Pflegekinderwesen bis dato keine allgemeinverbindlichen Richtlinien kennt.

Basiskurs für Pflegeberechtigung

Generell soll Kindern bei Fremdplatzierungen mehr Mitsprache eingeräumt werden. Umgesetzt werden soll dies über die Stärkung der Rolle von Personen des Vertrauens und der Verfahrensbeistände, wie dem bereits im November veröffentlichten Papier zu entnehmen ist.

Betroffen von der angestrebten Professionalisierung wären insbesondere Familien, die Kinder von Verwandten bei sich aufnehmen. Auch diese sollen gemäss den neuen Empfehlungen in Zukunft einen Basiskurs absolvieren müssen, um die Pflegeberechtigung zu erhalten. Regelmässige Weiterbildungen müssten folgen.

Obligatorische Sitzungen und neue Gesetze

Weiter sollen die Kantone die Pflegeeltern mehrmals jährlich zu Sitzungen aufbieten. Konkret vorgesehen sind in den Empfehlungen ein obligatorisches Beratungsgespräch pro Jahr, ausserdem ein ebenfalls obligatorisches jährliches Aufsichtsgespräch und mehrmals jährlich «Standortgespräche mit allen involvierten Akteuren».

Die Zufriedenheit der Pflegekinder soll gegebenenfalls mit systematischen Befragungen ermittelt werden. Als Verfahrensbeistände sollen nur Personen «mit Zusatzausbildung in rechtlichen und fürsorgerischen Belangen» fungieren, die Kantone hätten dafür zu sorgen, dass genügend ausgebildete Fachpersonen zur Verfügung stehen.