Interview
Cassis: Bevor die Schweiz der EU beitritt, «müsste sich die Welt dramatisch ändern»

In einem Interview mit der SonntagsZeitung äussert sich der Aussenminister über einen möglichen EU-Beitritt und über den Rücktritt von Petra Gössi.

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Aussenminister Ignazio Cassis ist «einigermassen optimistisch», dass sich die Beziehung zur EU bald wieder normalisiert.

Aussenminister Ignazio Cassis ist «einigermassen optimistisch», dass sich die Beziehung zur EU bald wieder normalisiert.

Keystone

Das Rahmenabkommen ist zwar gescheitert, ganz gestorben ist die Idee aber trotzdem nicht. «Es ist nicht auszuschliessen, dass wir mit der EU dereinst wieder über institutionelle Fragen sprechen», sagt Ignazio Cassis im Interview mit der «SonntagsZeitung». Auch aus den Fehlern will die Schweiz lernen: «Dann müssen wir aber von vornherein deutlich machen, was für uns geht und was nicht», so Cassis. Sonst, so der Aussenminister, drohe erneut ein Abkommen, «das bei uns politisch keine Chance hat.»

Cassis spürte bei Besuchen in Österreich und Frankreich «Bedauern» über den Schweizer Entscheid, das Rahmenabkommen nicht zu unterzeichnen. Gleichzeitig sei betont worden, «dass die gegenseitigen Beziehungen enorm wichtig sind.» Er sei daher «einigermassen optimistisch», dass die EU auf grössere Strafaktionen verzichtet. «Ich glaube, es besteht eine gewisse Chance, dass man auch in der EU zum Schluss kommt, dass zum Beispiel ein Update bestehender Verträge wieder gemacht wird und dass wir die Forschungszusammenarbeit weiterführen können», so Cassis.

«Bedauere den Rücktritt von Petra Gössi»

Die Schweiz wolle nun mit «einem regelmässigen politischen Dialog» einen «Weg der Entspannung» finden. Dies, «bis wir die Kraft haben, einen neuen Ansatz für eine Weiterentwicklung der Beziehungen zu finden», sagt Cassis. Ein Beitritt zur EU, wie das jüngst Exponenten der SP gefordert hatten, hält Cassis «realpolitisch im Moment für wenig wahrscheinlich». Vorher «müsste sich die Welt dramatisch ändern», so der Aussenminister.

Auch zum Rücktritt von FDP-Präsidentin Petra Gössi äussert sich Cassis im Interview: «Ich bedaure ihren Rücktritt sehr.» Die Zusammenarbeit mit ihr sei stets sehr gut gewesen. Einen konkreten Wunschnachfolger oder eine Wunschnachfolgerin nennt Cassis nicht. Ein grobes Anforderungsprofil umreisst er aber: «Klar ist für mich, dass es eine Person sein muss, welche die unterschiedlichen Strömungen innerhalb des Freisinns spürt und auffangen kann.» (mg)

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