Hilfswerke
40 Millionen sind schon weg: Glückskette sucht mehr Geld für Opfer der Coronakrise

43,5 Millionen Spendengelder konnte die Glückskette für ihre Sammlung «Coronavirus Schweiz» generieren. Nun gehen die Mittel zur Neige.

Peter Walthard
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«Sans-Papiers, Obdachlose, Migranten und Sexarbeiterinnen:» Ein Teil der Hilfsgelder floss in die Verteilung von Lebensmitteln. (Symbolbild)

«Sans-Papiers, Obdachlose, Migranten und Sexarbeiterinnen:» Ein Teil der Hilfsgelder floss in die Verteilung von Lebensmitteln. (Symbolbild)

Keystone

Die Coronakrise bringt die Glückskette an ihre Grenzen. 43,5 Millionen Franken Spendengelder hat die Organisation in der intensivsten Sammelaktion ihrer Geschichte aufgetrieben. Nun gehen die Mittel zur Neige: 40 Millionen sind bereits verteilt worden, wie die Glückskette in einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung schreibt. Doch die Not sei nicht vorüber. «Wir können nur noch punktuell sehr spezifische Hilfe finanzieren», sagt Direktor Roland Thomman in der Mitteilung.

Auch die Partnerorganisationen, die Caritas und das Schweizerische Rote Kreuz (SRK), melden sich darin zu Wort: «Nonprofit-Organisationen können in akuten Notlagen unterstützen, sie können aber nicht strukturelle Ungleichheiten ausgleichen. Hier ist nun der Staat gefordert», sagt SRK-Direktor Markus Mader. Und Caritas-Direktor Peter Marbet doppelt nach: «Caritas erwartet von der Politik, dass die Hilfsmassnahmen für sozial und wirtschaftlich schwächer Gestellte mindestens bis zum Ende der Krise aufrechterhalten werden.» Eine neue Spendenaktion sei angesichts dieser Situation nicht geplant, heisst es in der Mitteilung weiter. Es sei aber immer noch möglich, zu spenden.

Fast eine halbe Million Menschen brauchte direkte Unterstützung

Bei ihrer Hilfsaktion arbeitete die Glückskette mit 126 Organisationen zusammen. Die Angebote reichten von finanzieller Direkthilfe bis hin zu Informationskampagnen. Insgesamt schätzt die Spendensammelorganisation, dass schweizweit 1,7 Millionen Menschen erreicht wurden. Rund 400'000 davon erhielten direkte finanzielle Unterstützung oder Lebensmittelhilfe, wie die Medienverantwortliche der Glückskette, Priska Spörri, auf Anfrage von CH Media ausführt. Profitiert von der Hilfe hätten vor allem Menschen am Existenzminimum, insbesondere Sans-Papiers, Obdachlose, Migranten und Sexarbeiterinnen.

Mitfinanziert wurden aus den Spendengeldern auch Dienstleistungen wie Haushaltshilfen, Hauslieferungen, Pflege und Transport. Ebenfalls unterstützt wurden Sensibilisierungskampagnen und professionelle sowie persönliche Beratungen. Dazu gehörten gesundheitliche Empfehlungen, Koordination von Hilfeleistungen und der Aufbau von Kontakten zu lokalen Freiwilligen. Einige Projekte würden noch bis 2023 weitergeführt, so Spörri.