Familienergänzende Betreuung
Kita-Plätze für Kinder mit einer Behinderung sind Mangelware

Laut der Organisation Procap fehlt es in der Schweiz an familienergänzenden Betreuungsplätzen für Kinder mit einer Behinderung. Viele Eltern würden deshalb ihr Pensum reduzieren.

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Kinder mit Behinderungen haben nicht die gleichen Chancen auf einen Kita-Platz wie Kinder ohne Behinderungen.

Kinder mit Behinderungen haben nicht die gleichen Chancen auf einen Kita-Platz wie Kinder ohne Behinderungen.

Keystone

(gb) Wer Kinder im Vorschulalter hat und berufstätig ist, kann sein Kind in eine Kita geben. Für Eltern von Kindern mit einer Behinderung ist das nicht ganz so einfach, wie ein neuer Bericht der Organisation Procap Schweiz zeigt. «In vielen Schweizer Kantonen fehlt ein systematisches Angebot an familienergänzender Betreuung für Kinder mit Behinderungen», schreibt Procap in einer Mitteilung vom Sonntag.

Die Organisation befragte über 800 Fachpersonen und Eltern zum Thema. Von den rund 400 Eltern gab über die Hälfte an, das bestehende Angebot decke den Bedarf nicht. Fast drei Viertel gaben an, dass die Suche nach einem Platz für ein Kind mit Behinderung schwieriger war als für ein Kind ohne Behinderung. Besonders selten sind Plätze für Kinder mit einer schweren Behinderung. Nur gerade die Kantone Basel-Stadt, Genf, Waadt und Zug sowie die Stadt Zürich bieten laut Procap ein «ausreichendes und diskriminierungsfreies Angebot». In vielen Kantonen fehle ein Angebot schon für Kinder mit leichten Behinderungen.

Forderung nach öffentlicher Finanzierung

Vonseiten der Betreuungseinrichtungen wurden mehrere Gründe genannt, weshalb Kinder mit Behinderungen keinen Platz bekommen. Die Integration in die Gruppe stellte für einen Fünftel das Hauptproblem dar. Aber auch der Mangel an geschultem Personal und der Betreuungsaufwand wurden oft genannt.

Für Procap stellt sich jedoch auch die Frage der Finanzierung. Bei der Betreuung von Kindern mit einer Behinderung können Mehrkosten entstehen und diese soll die öffentliche Hand übernehmen, fordert Procap. Zurzeit würden immer noch viele Eltern – mehrheitlich Mütter – ihr Pensum reduzieren, um selbst für das Kind zu schauen. Volkswirtschaftlich könne es sich aber lohnen, die Eltern zu entlasten und die Erwerbstätigkeit zu erhöhen, heisst es weiter. Zudem sollen Kinder mit Behinderung auch aus rein rechtlichen Gründen die gleichen Möglichkeiten haben wie Kinder ohne Behinderung.