Fälschungen
Vermeintliche Schnäppchen kommen Schweiz teuer zu stehen

Die Schweizer Wirtschaft leidet unter Fälschungen. Alleine 2018 entging ihr 4,5 Milliarden Franken Umsatz. Helfen sollen griffige Gesetze und eine internationale Koordination.

André Bissegger
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Stop Piracy vernichtete im März 1,5 Tonnen gefälschte Uhren, die von der Eidgenössischen Zollverwaltung an der Grenze abgefangen worden sind.

Stop Piracy vernichtete im März 1,5 Tonnen gefälschte Uhren, die von der Eidgenössischen Zollverwaltung an der Grenze abgefangen worden sind.

Stop Piracy

Gefälschte «Schweizer» Produkte wie Uhren, Haushaltsgeräte oder Medikamente liegen im Trend. Das Label «Swiss made» steht für Qualität. Dafür bezahlen die Konsumentinnen und Konsumenten gerne etwas mehr und greifen kräftig zu – zur Freude der Fälscher. Eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt nun erstmals, wie gross der entstandene Schaden für die Schweiz tatsächlich ist.

«Die Resultate sind besorgniserregend», sagte Felix Addor vom Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) am Dienstag anlässlich der Studien-Präsentation. So zahlten Kundinnen und Kunden auf der ganzen Welt im Jahr 2018 über 2 Milliarden Franken für gefälschte Schweizer Produkte. Die Schweizer Unternehmen sind damit um rund 4,5 Milliarden Franken Umsatz betrogen worden. «Das sind 0,6 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts», sagte Anastasia Li-Treyer, Präsidentin der Schweizer Plattform gegen Fälschung und Piraterie Stop Piracy. «Eine Fälschung zu kaufen ist nicht harmlos.»

Fälschungen kosten 10'000 Arbeitsplätze

Am stärksten davon betroffen war die Uhren- und Schmuckbranche, die rund 2 Milliarden einbüsste. Dazu kommen gefälschte Waren aus der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie mit 1,2 Milliarden Franken. Seit der Corona-Pandemie werden zudem vermehrt auch gefälschte Medikamente beschlagnahmt. Die Fälschungen stammen gemäss Studie mehrheitlich aus China und Hongkong, Singapur und der Türkei.

Dieser Umsatzverlust von 4,5 Milliarden Franken hat laut Felix Addor einen direkten Einfluss auf die Arbeitsplätze in der Schweiz. Gemäss OECD hätten Schweizer Unternehmen im Jahr 2018 ohne Fälschungsindustrie über 10'000 Stellen mehr anbieten können, wie es in einer Mitteilung heisst.

Hälfte der Konsumenten kauft bewusst eine Fälschung

Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Konsumenten in etwa der Hälfte aller Fälle bewusst eine Fälschung kauften. An diesem Punkt will «Stopp Piracy» ansetzen und die Aufklärung und Sensibilisierung der Käuferinnen und Käufer weiter verbessern. Zudem werde sich das IGE noch intensiver für Mindeststandards zur Durchsetzung von geistigen Eigentumsrechten in Freihandelsabkommen einsetzen.

Piotr Stryszowski vom OECD betonte derweil, dass kein Land das Problem alleine lösen könne und es daher internationale Koordination brauche. «Wir werden die Studie nun einsetzen, um griffige gesetzliche Massnahmen zu ergreifen», sagte Addor.