Coronapandemie
Taskforce-Chef: «Ich dachte, wir kriegen das besser hin»

Martin Ackermann präsidiert die Covid-Taskforce des Bundes. In einem Interview mit dem ETH-Magazin erzählt er, wie man mit Skeptikern umgehen soll und wie ihn die Krise persönlich trifft.

Gina Kern
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Martin Ackermann, Präsident der nationalen Covid-Taskforce, hier bei einem Auftritt vor den Medien im Bundeshaus.

Martin Ackermann, Präsident der nationalen Covid-Taskforce, hier bei einem Auftritt vor den Medien im Bundeshaus.

Keystone

Martin Ackermann ist der Leiter der Covid-Taskforce des Bundes. In einem Interview vom Montag mit dem ETH-Magazin sagt der 50-jährige Schwyzer, dass sich die Gesellschaft mit der Krise schwer tue, vor allem im Herbst letzten Jahres, als viele Menschen an Corona verstorben seien.

Eine gewisse Ernüchterung stellt er auch bei sich selber fest: «Natürlich übertrifft diese Krise alles, was ich mir bisher vorstellen konnte - dennoch dachte ich, wir kriegen das besser hin. Dass wir wissenschaftlich basiert handeln, viele Werkzeuge einsetzen, unsere technologischen Möglichkeiten nutzen. Ich habe hohe Erwartungen gehabt und bin enttäuscht worden.»

«Ich verstehe, dass viele Menschen skeptisch sind»

Die Diskussion, ob Gesundheit oder Wirtschaft priorisiert werden soll, habe zu lange den Diskurs im Land geprägt: «Deshalb fiel es uns schwer, früh beherzt einzugreifen.» Der Konsens der Task Force diesbezüglich sei klar: «Es ist auch ökonomisch besser, harte Massnahmen zu treffen, welche die Fallzahlen schnell herunterbringen, als weiche Massnahmen zu ergreifen und lange Perioden mit hohen Fallzahlen in Kauf zu nehmen», so Ackermann im ETH-Magazin.

Dennoch gebe es sehr viele skeptische Schweizerinnen und Schweizer. Viele spürten in ihrem Alltag nichts vom Coronavirus, selbst wenn die Spitäler gefüllt seien. «Du siehst es nicht, du spürst es nicht, aber alle sagen dir, da sei etwas ganz Schlimmes und du müsstest dich deshalb stark einschränken. Das ist eine schwierige Situation und ich verstehe, dass viele Menschen skeptisch sind.»

Es braucht viel Überzeugungsarbeit

Wissenschaftliche Argumente alleine genügen laut Ackermann nicht, um die Leute zu überzeugen. Es brauche viel Einfühlungsvermögen. Man müsse viel zuhören und verstehen, wieso jemand zu seinen Ansichten komme. Schwierig sei es, wenn man eine ganze Gruppe skeptischer Leute vor sich habe, da brauche es auch Gespräche mit einzelnen Personen.

Der Professors für Ökologie und Mikrobielle Systeme hat nur noch wenig Zeit für seine Arbeit an der ETH. Sein Fokus sei bei der Task-Force und er gibt zu, dass er manchmal sehr erschöpft sei: «Ich wache oft mitten in der Nacht auf und bin dann sofort in Gedanken bei der Pandemie.»