Altersvorsorge
100'000 Unterschriften in Rekordtempo: AHV-Reform kommt vors Stimmvolk

Das Volk wird im Herbst über die AHV-Reform entscheiden. Ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Parteien und Verbänden hat in nur 50 Tagen über 100'000 Unterschriften gesammelt. Es fürchtet, die Reform sei der Startschuss für einen Rentenabbau.

Reto Wattenhofer
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Die Reform der Altersvorsorge ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Im Herbst wird sich das Stimmvolk erneut dazu äussern können. (Symbolbild)

Die Reform der Altersvorsorge ist seit Jahren ein Dauerbrenner. Im Herbst wird sich das Stimmvolk erneut dazu äussern können. (Symbolbild)

Keystone

Als sich das Parlament im Dezember darauf einigte, wie es die AHV reformieren möchte, war bereits klar: Das Stimmvolk wird das letzte Wort haben. Postwendend lancierte das Bündnis gegen die «AHV 21»-Vorlage das Referendum. Nun zeigt sich: Die von den Gewerkschaften angeführte Allianz hat nichts von ihrer Mobilisierungskraft verloren. In weniger als 50 Tagen hat sie über 100'000 Unterschriften gesammelt, wie der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) am Dienstag mitteilte.

«Trotz kalten Wintertagen und anhaltenden Corona-Einschränkungen ist das Referendum gegen die Erhöhung des Frauenrentenalters fulminant gestartet», frohlockt das Bündnis. Für ein Referendum sind innert 100 Tagen 50’000 Unterschriften notwendig.

«Herzstück der sozialen Sicherheit»

Die Gegner erachten die AHV-Reform als Abbauvorlage, die besonders für Frauen schmerzhafte Einbussen brächte. Diese müssten jährliche Rentenkürzungen von 1200 Franken hinnehmen – obwohl ihre Rentenlücke noch immer rund einen Drittel betrage. Für die Allianz ist klar, dass die Reform erst der Anfang ist: Arbeitgeber und bürgerliche Parteien würden «auf wei­tere Angriffe auf das Herzstück der sozialen Sicherheit in diesem Land» setzen, kritisiert der SGB. Geplant sei ein Rentenalter 67 wie auch Rentenkürzungen bei den Pensionskassen.

Die vom Parlament beschlossene Rentenreform sieht eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters für Frauen um ein Jahr auf 65 Jahre vor. Uneinig war sich das Parlament lange, wie diese Erhöhung kompensiert werden soll für Frauen, die kurz vor der Pensionierung stehen. Schliesslich haben die Räte entschieden, die ersten neun Frauenjahrgänge zu entschädigen. Wie hoch dieser Zuschlag ist, hängt vom Zeitpunkt der Pensionierung und vom Einkommen ab.