Was Förster von Waldweihnachten halten

Manche Förster machen sich jetzt schon Sorgen was passiert, wenn Grossfamilien am 24. Dezember den Wald zur virenfreien Stube umfunktionieren. Sie geben aber auch Tipps.

Katja Fischer De Santi
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Im Wald Tannen besser nicht schmücken.

Im Wald Tannen besser nicht schmücken.

Waldweihnachten als Alternative zu den üblichen Familienfesten in der guten Stube ist theoretisch eine gute Idee der Covid-Taskforce. Doch was sagen die Förster dazu, wenn die Leute an Weihnachten den Wald zur Feststube machen? Dass der Wald zum virenfreien Rückzugsort wurde, beobachteten die Förster schon während der ersten Welle mit steigender Besorgnis. Littering, wilde Feuerstellen, laute Musik und Festbeleuchtung bis weit in die Nacht hinein störten die Waldbesitzer und die Tiere.

Möglichst keine Spuren hinterlassen

Solange ein Weihnachtsfest im Wald eher im kleinen Rahmen, ruhig und besinnlich, abläuft, spreche aber nichts dagegen, schreibt Alex Arnet, Sektionsleiter Waldbewirtschaftung des Kantons Aargau.

«Schön, wenn die Leute Weihnachten im Wald feiern, solange sie Rücksicht nehmen auf Pflanzen und Tiere»,

sagt auch Raphael Lüchinger, Regionalförster in St. Gallen. «Je weniger Spuren sie hinterlassen, desto besser.» Er rät den Leuten, am Morgen nach der Waldfeier einen Kontrollgang zu machen. «Im Dunkeln übersieht man meistens etwas.»

Besorgter blickt man im Kanton Luzern auf die kommenden Festtage. «In der Covid-19-Taskforce des Bundes sind offensichtlich keine Naturfachleute vertreten», schreibt Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald des Kantons Luzern. Der Wald könne nicht als Ersatz für die zahlreichen Anlässe im Advent und an Weihnachten dienen, die sonst drinnen stattfinden. «Dafür ist das Ausmass der Störungen für Wildtiere zu hoch», so Röösli. Insbesondere im Winterhalbjahr, wenn die meisten Wildtiere aufgrund der Nahrungsknappheit und der tieferen Temperaturen in einen Energiesparmodus umschalten, seien Störungen sehr heikel. «Wenn dazu noch Schnee liegt, wird bei jeder Fluchtreaktion viel Energie benötigt. Dies schwächt die Tiere.»

Keine Kerzen an die Tanne und Feuer ganz löschen

Wer also den Wildtieren und Waldeigentümern frohe Weihnachten gönnt, der hält sich nur auf den Waldwegen und um offiziellen Feuerstellen auf, schmückt keine Bäume mit Lametta oder Kerzen, hält seinen Hund an der Leine und löscht am Schluss das Feuer ganz. Dass es am 24. Dezember einen Ansturm auf Waldplätze geben könnte, glauben und hoffen die angefragten Revierförster nicht. Dafür sei es um diese Jahreszeit dann doch zu kalt oder zu nass. Vereinzelt würden Familien aber jetzt schon versuchen, Grillstellen zu reservieren, wo dies möglich sei.