BAUSTELLE
Neues Stellwerk ist in Betrieb: Bald mit 90 Sachen in den Bahnhof

Das Wattwiler Baustellenjahr 2021 betrifft auch den Bahnhof. Der Südkopf wird mit neuen Weichen versehen, sodass die Züge schneller einfahren und Verspätungen aufholen können. Seit wenigen Tagen ist das neue Stellwerk in Betrieb – seit Montag Gleis 1 gesperrt.

Simon Dudle
Merken
Drucken
Teilen
Es hat geklappt: Das neue Stellwerk am Bahnhof Wattwil wurde in Betrieb genommen.

Es hat geklappt: Das neue Stellwerk am Bahnhof Wattwil wurde in Betrieb genommen.

Bild: PD

Ob Umfahrungsstrasse, Bahnhof- und Poststrasse oder Rietwisareal: Wattwil gleicht in diesem Jahr einer einzigen grossen Baustelle. Zumal dies auch auf den Bahnhof zutrifft. Seit vergangenem Herbst laufen umfassende Sanierungsarbeiten, die rund ein Jahr in Anspruch nehmen und voraussichtlich rund 25 Millionen Franken verschlingen werden. Das Ziel: Alle Züge sollen mit bis zu 90 Stundenkilometer in den Bahnhof ein- und ausfahren können. Bis anhin ist dies nur auf einem Gleis möglich. Bei den anderen Gleisen beträgt die Maximalgeschwindigkeit 40 bis 60 Stundenkilometer.

Erreicht werden soll dies dank Weichen mit einem grösseren Radius von bis zu 1600 Metern, womit diese schneller befahren werden können. Dies alles soll zur Folge haben, dass Verspätungen besser aufzuholen sind. In einer Region, welche wegen diverser einspuriger Streckenabschnitte besonders verspätungsanfällig ist, kommt diesem Aspekt besondere Bedeutung zu.

Armin Zöggeler, Gesamtprojektleiter Umbau Wattwiler Bahnhof-Südkopf.

Armin Zöggeler, Gesamtprojektleiter Umbau Wattwiler Bahnhof-Südkopf.

Bild: Daniel Ammann

Seit vergangenem Herbst wird gebaut. Und gerade dieser Tage passiert wieder Einschneidendes, auch wenn man es teilweise in der Aussensicht nicht wahrnimmt. In der Nacht auf vergangenen Freitag ist das neue Stellwerk, welches von der Südostbahn-Betriebszentrale in Herisau gesteuert wird, in Betrieb genommen worden. Armin Zöggeler, Gesamtprojektleiter des Umbaus am Wattwiler Bahnhof-Südkopf, sagt:

«Bei so einer Umstellung müssen unzählige Komponenten zusammenpassen. Es hat alles reibungslos geklappt.»

Auch am Abstellgleis wird gearbeitet

Für die Reisenden sehr wohl sichtbar ist, dass seit dieser Woche das Gleis 1 am Bahnhof Wattwil gesperrt ist. Die Züge, welche bis jetzt auf Gleis 1 verkehrten, haben andere Halteorte. So fährt zum Beispiel die S2 Richtung Lichtensteig-St.Gallen-Altstätten neu auf Gleis 2 statt 1. «Die Sanierungsarbeiten gehen nun durch den Bahnhof von Ost nach West», sagt Armin Zöggeler. Zudem finden auch beim Abstellgleis 60 im Osten des Gleisfeldes Arbeiten statt und die Fahrbahn wird erneuert.

Im Wonnemonat Mai sind dann mehrere Streckensperrungen geplant. Am ersten Mai-Wochenende wird kein Zug den Bahnhof Wattwil talaufwärts verlassen. Sowohl die Strecke Richtung Rickentunnel als auch jene Richtung oberes Toggenburg sind dann gesperrt, um betreffend Hochwasserschutz einen wichtigen Schritt voranzukommen. Der alte Durchlass des Bleikenbachs, welcher die Gleise quert, wird abgebrochen und vorgefertigte Elemente für den neuen Durchlass werden eingehoben. Die neue Kanalisation Sedelbach, welche die Gleise ebenfalls quert, wird verlegt. Dies alles geschieht als Vorbote und im Einklang mit der Thursanierung, die als eines der nächsten grossen Wattwiler Bauprojekte ansteht.

Passerellen-Abbruch: Es wurde knapp

Zwischen dem 1. Mai und dem 24. Mai werden zwischen Wattwil und Nesslau ausschliesslich Busse statt Züge verkehren, da die Bahnstrecke gesperrt sein wird. Die erste von zwei grossen Bogenweichen wird eingebaut. Teilweise muss das Gleis angehoben werden. Auch die Fahrleitungsanlage wird erneuert. Über Pfingsten (21.–24. Mai) folgt dann nochmals eine Totalsperrung, um drei weitere Weichen einzubauen und auch auf dem Streckenabschnitt Richtung Uznach Fahrleitungen zu erneuern. Es folgen weitere Arbeiten, die im Verlauf des Monats Oktober abgeschlossen sein sollen.

Ende November ist die stählerne Fussgänger-Passerelle demontiert worden.

Ende November ist die stählerne Fussgänger-Passerelle demontiert worden.

Archivbild: PD

Der in der Aussenwahrnehmung bedeutendste Vorgang ist bereits im November des vergangenen Jahres erfolgt. Die 45 Meter lange, 110-jährige stählerne Fussgänger-Passerelle über die Gleise ist mit zwei Kranen abgebrochen worden. Dies wurde nötig, weil der Mittelpfeiler im Gleisfeld stand und ohne diesen Pfeiler ein Einsturz gedroht hätte. Dafür waren in der Nacht nur vier Stunden Zeit, da nur so lange kein Zug fährt. «Am Anfang hatten wir einige Schwierigkeiten und es stand auf Messers Schneide, ob wir die Arbeiten wie geplant durchführen können. Es hat aber geklappt und es waren am Schluss noch ein paar Minuten übrig», sagt Armin Zöggeler. Die Passerelle ging an den Dampfbahn-Verein Zürcher Oberland (DVZO) über. Sie soll dereinst das neue Eingangsportal des geplanten Dampfbahn-Freilichtmuseums in Bauma zieren.