Medienkolumne
Rolf Dobelli hat für die NZZ ein Interview geführt – und möchte, dass es niemand liest

Der Schriftsteller und Unternehmer Rolf Dobelli sieht keine Tagesschau, hört nicht Radio und liest keine News. Für die NZZ wurde er nun aber selber zum Journalisten. Wie geht das zusammen?

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Macht seit zehn Jahren eine News-Diät: Rolf Dobelli.

Macht seit zehn Jahren eine News-Diät: Rolf Dobelli.

HO

Der Schriftsteller und Unternehmer Rolf Dobelli hat 2019 ein Buch geschrieben: «Die Kunst des digitalen Lebens. Wie Sie auf News verzichten». Darin lässt er die Welt wissen, dass er seit 2010 keine «Tagesschau» mehr gesehen, kein Radio mehr gehört und keine News mehr gelesen hat. Die NZZ publizierte damals selbstironisch einen Essay von Dobelli mit dem Titel «Wollen Sie klarer denken? Machen Sie eine News-Diät».

Diese Woche hat nun Dobelli wieder in der NZZ publiziert: ein Interview mit dem ehemaligen US-Aussenminister Henry Kissinger. Es ist davon auszugehen, dass sich Dobelli nicht mit dem Studieren der Aktualität, sondern nur mit Büchern auf das Interview vorbereitet hat. Bei der historischen Figur Kissinger könnte das ja klappen.

Bloss: Um die Bücher zu schreiben, mit denen sich Dobelli vorbereitet hat, mussten sich die Autoren mit Nachrichten auseinandersetzen. Liest niemand mehr Nachrichten, schreibt auch niemand mehr (politische) Bücher. Folglich kann Dobelli keine Bücher mehr lesen. News zu ignorieren, ist also ziemlich arrogant.

Fragt sich, ob Dobellis Interview in der NZZ überhaupt gelesen wurde. Falls nicht, wäre der Beweis erbracht, dass die Menschen seinem Rat folgen: «Machen Sie eine News-Diät».

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