Analyse
Mit weniger Geld mehr wollen: Daraus entstehen zwangsläufig Probleme

SRF steht unter Kritik der Kulturschaffenden. Es hatte es unterlassen, die Branche in die Umbaupläne einzubinden.

Christian Mensch
Christian Mensch
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SRF ist stark mit sich selbst beschäftigt – darunter leidet die Kommunikation.

SRF ist stark mit sich selbst beschäftigt – darunter leidet die Kommunikation.

Bild: Gian Vaitl / SRF

Ein gängiger Irrtum ist es zu meinen, Kommunikationsunternehmen seien besonders gut darin zu kommunizieren. Eher das Umgekehrte scheint der Fall zu sein. Anderen erteilen sie gerne gute Ratschläge, dass Probleme nicht verschwiegen, sondern offen angesprochen, dass Veränderungen mit Betroffenen vorweg diskutiert und nicht bloss exekutiert werden sollen. Sind sie jedoch selbst betroffen, handeln sie häufig nicht anders als jene anderen.

Anschauungsunterricht dafür liefert derzeit SRF. Die SRG-Einheit ist unter Spar- und Umbaudruck. Mit weniger Geld sollen neue Inhalte auf frischen Kanälen für ein verjüngtes Publikum mit sich stetig ändernden Bedürfnissen geschaffen werden. Daraus entstehen zwangsläufig Probleme ohne Ende. Sie brüskieren, was sich neudeutsch Stakeholder nennt. Aktuell sind es die Kulturschaffenden, die auf die Barrikaden steigen, da sie dem SRF-Wirken keinen Sinn und noch weniger Verständnis abgewinnen können.

Als Teil eines Kommunikationsunternehmens geben wir SRF gerne den guten Rat, sich proaktiv um eine bessere Kommunikation zu kümmern. Denn sollte in den nächsten Wochen auch noch SRG-Chef Gilles Marchand über die interne Me-Too-Affäre stolpern, könnte dies das eine hängige Problem zu viel sein, um als Unternehmen die Turbulenzen unbeschadet zu überstehen.