Leserbrief
Praxisfremde Darstellung

«Wegen Automatisierung bald abgesägt?», Ausgabe vom 24. September

Merken
Drucken
Teilen

Für Polymechaniker besteht «das Potenzial», dass sie zu 100 Prozent durch Maschinen oder Computer ersetzt werden können, so die Forschenden in der Studie der Uni Bern und ETH Zürich. Solche praxisfremden Darstellungen sind eine Beleidigung und ein Affront gegenüber einer absolut zukunftsorientierten Berufsgruppe. So was wühlt mich als innovativer Unternehmer emotional auf. Unser Familienunternehmen beschäftigt 40 Mitarbeitende, mit dabei eine Frau und fünf Männer mit Abschluss Polymechaniker EFZ und ein Polymechaniker-Lehrling. Diese Fachleute sind unser Fundament für Innovation, Automatisierung und Qualität. Es sind Fachkräfte mit vielseitigem Wissen über Werkstoffe, Verarbeitung und Montage. Ohne solche Spezialisten sind wir gar nicht erst in der Lage, unsere elektrischen Präzisionsantriebe in der vom Markt geforderten Qualität herzustellen. Es kommt nicht von ungefähr, dass dieses handwerkliche Know-how auf dem Stellenmarkt sehr gefragt ist und solche Fachleute zunehmend schwieriger zu finden sind.

Die Studie ist ein Frontalangriff auf das duale Bildungssystem um welches uns die ganze Welt beneidet. Computer und Maschinen sind wichtig damit wir vorankommen. Aber es sind nur Werkzeuge. Und diese Werkzeuge ersetzen keine Mechaniker, Installateure, Informatiker oder Schreiner. Aber sie helfen ihnen bei den täglichen Aufgaben und übernehmen monotone Arbeiten. Auch die Forscher der Studie nutzten den Computer als Werkzeug, und als der Computer einmal sagte, dass er die Forscher bald ersetzen werde, glaubten sie ihm und Forscher gibt es heute keine mehr.

Alois Jenny, Jenny Science AG, Rain