Leserbrief
In welchen Lebensmitteln Zucker steckt

«Nationalrat: Nein zu einer Zuckersteuer», Ausgabe vom 12. Juni

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Es brauche eine Gesetzesänderung, um die Diabetes- und Fettleibigkeitsepidemie wirksam bekämpfen zu können, heisst es oft. Aber wer glaubt denn ernsthaft, dass ein Gesetz ein Problem lösen kann? Womit? Mit einer Zuckersteuer? Ha! Weniger Zucker im Joghurt und im Müesli. Wer glaubt denn wahrhaftig, dass es damit getan ist? Zucker ist auch ein Thema für mich. Ich versuche, ihn, soweit es geht, wegzulassen, schaffe es aber (noch) nicht. Schon beim Einkauf der Lebensmittel bin ich manchmal richtig frustriert. Warum muss in der Mayonnaise, im Senf, in Salatsaucen (die ich sowieso nie kaufe) in der Tomatensauce (die ich gerne kaufen würde), in den Essiggurken (die ich gerne kaufen würde), in der Meerrettichsauce (die ich am meisten vermisse) und in endlos vielen Fertigprodukten Zucker drin sein? Warum müssen süsse Gojibeeren noch mit Zucker nachgesüsst werden?

Schleichend wurde in den letzten Jahren Produkt um Produkt mit Zucker gefüttert. Es ist ein offenes Geheimnis: Zucker macht süchtig, genau wie Kaffee oder Alkohol. Wenn ich keinen Tag ohne diese Genussmittel sein kann, dann bin ich süchtig. Das sind wohl viele von uns. Manche wissen es einfach nicht. Der Konsument könne entscheiden, ob er ein gezuckertes Produkt einkaufen wolle. Das stimmt nicht ganz. Bei sehr vielen Produkten habe ich überhaupt keine Wahl, ob ich sie mit oder ohne Zucker kaufen kann.

Wir brauchen kein Zuckergesetz. Was wir brauchen, sind vernünftige, normal denkende Menschen, die ihren Teil zum guten Gelingen genau da beitragen, wo sie es können. In diesem Fall die Menschen, die Lebensmittel verarbeiten. Keinen unnötigen Zucker in Produkte, die das gar nicht brauchen. Geschäftsinhaber könnten mehr darauf zu achten, keine solchen Produkte mehr einzukaufen. Kunden könnten solche Produkte ignorieren. Ich wünsche mir wahrlich, dass ich im Laden die Wahl erhalte, zwischen «mit» oder «ohne Zucker» wählen zu können.

Kann mir jemand eine plausible Erklärung geben, warum die Lebensmittelindustrie den Produkten überall Zucker beifügt? Nicht etwa, um uns süchtig zu machen? Warum dann?

Heidy Emmenegger, Escholzmatt


Unser Bundesparlament hält nichts von einer Zuckersteuer. Wir seien liberal, und die Industrie bemühe sich den Zuckergehalt in den Lebensmitteln zu verringern. Passieren tut nichts. Und alle fragen sich: Was soll denn das mit dem Gesundheitswesen zu tun haben? In England wurde eine Zuckersteuer eingeführt und plötzlich haben die Süssgetränke nur noch halb so viel Zucker wie in der Schweiz.

Der Zusammenhang ist der, dass in der Schweiz mittlerweile rund 500000 Menschen an Diabetes (nämlich Zuckerkrankheit) erkrankt sind. Das heisst: zu viel Zucker. Aber behandelt wird nicht mit Zuckerreduktion, sondern mit teuren Medikamenten. So sieht die Realität aus.

Und hier bräuchten wir Gesundheitserziehung. Eine Edukation, die die Menschen – vielleicht eben mit der Hilfe von politisch durchgesetzten Massnahmen – dazu bringt, sich Gedanken zu ihrer Gesundheit zu machen. Denn das Gesundheitswesen hat mit Gesundheit nicht so viel zu tun – es trägt nur die Kosten. Und das in zunehmendem Masse auch von lebensstilbezogenen Faktoren, welche die Gesundheit beeinträchtigen. Vergessen wir das nicht, wenn wir uns über die Gesundheitskosten entrüsten, was im Moment politisch ja offensichtlich sehr en vogue ist.

Urs Keiser, alt Kantonsrat CVP, Sarnen