Leserbrief
Die Reflexion fehlt

«Der Wert der Wertschätzung», Ausgabe vom 12. Juni

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Der Journalist, Christian Mensch äusserte sich in seinem Artikel über die beschleunigten Auswirkungen der Coronakrise auf die Medien und über die zusätzliche Unterstützung durch den Bund. Die Wertschätzung, respektive der Preis für guten Journalismus werde durch die Gesellschaft zu wenig erkannt. Leider vermisste ich einige selbstkritische Gedanken. Die Medien/Verlagshäuser stehen wie Anbieter aus anderen Branchen im Wettbewerb. Angebot und Nachfrage regeln den Markt. Vor Jahren erschienen die ersten Gratis-Zeitungen und im Online-Bereich werden heute noch viele journalistische Inhalte kostenlos zur Verfügung gestellt. Damit wurde der Wert dieser Produkte selber reduziert. Warum sollen junge Leute heute noch ein Zeitungsabo lösen, wenn sie ihre Informationsbedürfnisse kostenlos decken können und keinen Mehrwert erkennen? Ich bin jahrzehntelanger Zeitungsabonnent, ein «Gewohnheitstier» und gehöre wohl mit vielen gleichaltrigen Leserinnen und Lesern zu einer aussterbenden Spezies. Die Digitalisierungsmöglichkeiten werden aus meiner Sicht viel zu wenig genutzt. Vielleicht warten viele (junge) Menschen darauf, nur ihre gewünschten Themen/Sparten an verschiedenen Tagen, sogar zu bestimmten Zeiten zu konsumieren? Die Auswahl stellt der Abonnent für die einzelnen Wochentage «patchworkartig» zusammen. Solch individuelle Angebote fehlen grösstenteils und wären technisch absolut machbar, inklusive resultierendem, flexiblerem Pricing. Hat man da ein wenig geschlafen und zu stark auf die aussterbende Spezies vertraut? Wertschätzung sollte ja beidseitig wirken.

Die LZ-Medien haben vor knapp einem Jahr die Sonntagsausgabe gestrichen. In der gleichen Zeit wurde aber der Abo-Preis erhöht. Leserbriefe sind auf 1900 Zeichen (inkl. Leerschläge) beschränkt und pro Monat und Autor auf zwei limitiert. Das sind individuelle und kostenlose Inhalte. Der ausgewogene Journalismus mit Einbezug möglichst vieler Facetten, hat mir beim Lesen dieses Artikels leider gefehlt.

Philippe Gerber, Fürigen