Leserbrief
... dann werden sich Konfliktherde auftun

«Streit um Raumplanung geht weiter», Ausgabe vom 11. Februar

Conrad F. Stäheli, Freienbach
Drucken
Teilen

Solange es jedem Bewohner dieses Landes einigermassen gut geht, solange er an Events, dem überbordenden Konsumentismus und befohlenem «Pursuit Of Happiness» partizipieren kann, werden die inter-personellen und inner-gesellschaftlichen Probleme nicht so schnell offensichtlich werden. Sollten sich diese Verhältnisse jedoch eines Tages zu Ungunsten einer grösseren Anzahl seiner Bewohner ändern, so werden sich riesige Konfliktherde auftun. Dies kann bereits bei zunehmender Wasserknappheit evident werden.

Probleme, die nur Widerhall in Polizeirapporten, vor Richtern und in Nervenkliniken finden, der allgemeinen Öffentlichkeit aber verschlossen bleiben – oder in krassen Fällen – ab und zu auch Aufmerksamkeit in Medien finden. Eine gewisse Gereiztheit und ein zorniges Unbehagen einiger eingeengter Volksschichten werden zunehmend spürbar. Ebenso weist der zunehmende Konsum von Psychotherapie und der überbordende Genuss von Psychopharmaka auf pathogene Gesellschaftsentwicklungen hin, allerdings noch nicht im epidemischen Umfang wie in den USA. Die Psychopolitik beginnt also in der Apotheke und führt über den Weg der Psychotherapie, jedem Bürger seine persönliche, auf ihn zugeschnittene Pille und sein persönlicher Therapeut.

Jede halbwegs vernünftige Psychologie und Soziologie verzichtet auf die Verdichtung oder Zusammenpferchung der Menschen, auf die Umzingelung des Menschen durch den Menschen und die Belästigung des Menschen durch den Menschen. Sie verhindert Entwicklungen, welche im Prinzip die künstliche Erzeugung eines Maximal-Stress-Kollektivs bewerkstelligen. Sie berücksichtigt die individuellen subjektiven Bedürfnisse nach Nähe und Distanz jedes Einzelnen.

«Wenn man weiss, dass man seinesgleichen nicht nur lieben kann, sondern fürchten muss, dann braucht man viel Platz um sich herum ...» (Zitat von Peter Furth 2008). Vielleicht werden wir es eines Tages noch bitter bereuen, die Zersiedelung-Initiative und die Ecopop-Initiative abgelehnt zu haben.

Aktuelle Nachrichten