Leserbrief
Eine «staatliche Heilsbotschaft»

Bedenken zur zukünftigen sicheren Energieversorgung

Rudolf Balsiger, Oberwil ZG
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In der Tat ein überraschendes epochales Medienereignis war kürzlich der Tagespresse (u.a. der NZZ) zu entnehmen, nämlich, dass das EKZ eine Grossbatterie im Zürcher Oberland in Betrieb genommen hat. Diese soll ein Meilenstein im Rahmen der Energiewende darstellen. Sie dient zur Regelenergie und kann 7,5 MWh speichern und innert Sekunden 18 MW Leistung ins Schweizer Netz fliessen lassen und Hunderte von Haushaltungen mit Strom versorgen. Schauen wir doch mal diese Zahlen etwas genauer an, dann kommt Erstaunliches zu Tage, was diesen Medienhype doch relativiert.

Das Kernkraftwerk Leibstadt mit einer Leistung von 1275 MW produziert diese Menge Energie innerhalb von weniger als 22 Sekunden und nachher noch weiter und weiter und wird nicht leer. Wir wissen, dass nur ein Viertel des Stromes in die Haushalte geht, daher werden es bei üblichem Verbrauchermix theoretisch nur noch sehr wenige hundert sein. Das heisst, dass nicht 7,5 MWh aus der Superbatterie an die Haushalte geliefert werden können, sondern ca. 2 MWh.

Wenn diese 18 MW der Batterie innert wenigen Sekunden ins Schweizer Netz gespeist sind, ist bereits nach 25 Minuten Schluss mit lustig. Aber sie darf ja nie ganz entladen werden, also dürfte nach etwa einer Viertelstunde Schluss sein. Konsequenz: Sie nützt bei Dunkelflaute überhaupt nicht. Also kann man hier durchaus von einer kreativen Mangelverwaltung sprechen. Gekostet hat die Batterie 6 Millionen. Wir vergleichen diese Speicherung mit dem Pumpspeicherwerk Linth Limmern, wo während bis ca. 48 Stunden gegen 1500 MW (wie Leibstadt), also total 72000 MWh geliefert werden kann, bis es leer ist. Gekostet hat es ca. 3 Milliarden. Für dieselbe Energiemenge bräuchten wir 9600 Grossbatterien à 6 Millionen, also 57,6 Milliarden. Dazu kommt, dass Linth Limmern eine Lebensdauer von mindestens 80 Jahren hat, wovon diese Grossbatterie nur träumen kann.

Das tönt ja wie eine staatliche Heilsbotschaft, entpuppt sich aber als Schaufensterveranstaltung und kann unsere Bedenken zur zukünftigen sicheren Energieversorgung nicht beseitigen. Auf die Frage des Wirkungsgrades wird im Artikel nicht eingegangen.

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