Leserbrief
Streit um Gestank von Schweinestall: «Auch die Gemeinde Meggen ist in die Pflicht zu nehmen»

«Bauernfamilie bangt um ihre Zukunft», Ausgabe vom 18. Juni

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Der «Zugezogene» wusste von Anfang an, was ihn erwartet, als er seine Villa gebaut hat. Nun gegen den Bauern zu klagen ist ja wohl «unterste Schublade». Aber auch die Gemeinde Meggen ist in die Pflicht zu nehmen. Wenn eine Bauzone einen Mindestabstand nicht einhält, darf diese nicht beschlossen werden. Sowohl der Zugezogene als auch die Gemeinde Meggen haben sicherlich genügend finanzielles Potenzial um Bauer Hofer beim, durch sie erzwungenen, Neubau grosszügig zu unterstützen.

Kurt Tagliati, Eich


Ich finde es schon sehr befremdend, dass ein Bauernhof, der über sieben Generationen und seit über 300 Jahren betrieben wurde, vom jetzigen Standort weichen und an einem anderen Ort einen neuen Tierstall bauen muss – und das bis Mai 2020. Der reklamierende Liegenschaftseigentümer hat ja sehr wohl gewusst, dass neben seinem Grundstück dieser Bauernhof steht. Warum baut er dann gerade dort? Und was mich noch mehr verwundert: Wenn schon die Mindestabstände zu einer Landwirtschaftsliegenschaft bekannt sind, warum werden Wohnbauzonen so nahe daran erstellt?

Da muss man auch die Gemeinde in die Pflicht nehmen, welche solche Missstände zulässt. Mir tut die Bauernfamilie leid, welche nun um ihre Existenz bangen muss. Und schliesslich sind wir auf die Bauern angewiesen, mehr als auf angeblich gut betuchte Steuerzahler, die einfach nur zuoberst auf dem Hügel über Meggen thronen wollen und mit ihrem Bau zeigen müssen, was sie haben!

Nicht mehr als recht wäre jetzt, dass eine so reiche Gemeinde wie Meggen, die ja offenbar bei der Einzonung Fehler gemacht hat, wie auch der reklamierende Liegenschaftseigentümer, dem es ja so stinkt, dem Landwirt finanziell unter die Arme greifen würden, damit sich dieser den neuen Stall an einem anderen Ort bauen kann. Ich denke, dass man solche Idealisten, welche mit so viel Herzblut und Tierliebe einen Betrieb bereits in siebter Generation führen, unterstützen müsste.

Walter Schmid, Meggen


Wenn man ein Grundstück gegenüber eines Bauernhofs erwirbt, darf man nicht erwarten, dass es dort nach Lavendel duftet. Trotzdem stellt man eine Millionen teure Villa auf und fühlt sich nun durch Geruchsimmissionen belästigt.

Der Bauer wird gezwungen seinen Betrieb, der wohlbemerkt schon seit Generationen dort steht, zu verlegen. Da sich die Bauernfamilie diese Investition nicht leisten kann, ist sie auf Spenden angewiesen und muss via Medien darum betteln.

Dabei wäre es doch so einfach: Derjenige dem’s stinkt, ist der (Haupt-)Sponsor. Dieser könnte die benötigte Summe locker aus der Portokasse begleichen – und erst noch von den Steuern abziehen.

Hans-Peter Zehnder, Meggen


Geht’s noch? Da zieht ein gut betuchter, vermutlich starker Steuerzahler in die Gemeinde, in die Nähe eines Bauerhofs. Er weiss, dass dort auch Schweine gehalten werden. Offensichtlich hat er von Anfang an damit gerechnet, dass er die Sache schon zu seinen Gunsten zurechtbiegen kann.


Und jetzt soll der Bauer, aus einer seit Generationen ansässigen Familie, den Schweinestall versetzen oder den Betrieb aufgeben? Andere Leute, die an den Stadtrand ziehen, setzen die Bauern wegen der Kuhglocken unter Druck.

Wann meldet sich der Nächste, der seinen Wohnsitz neben die Schule verlegt? Er könnte veranlassen, dass die Kinder in der Pause drin bleiben müssen, weil er ihren Lärm nicht erträgt.

Leute gibt’s, die halten sich für den Mittelpunkt der Welt, um den sich alles dreht. Und sie scheinen tatsächlich mehr Einfluss und Rechte zu haben als andere.

Erika Knüsel, Luzern


Die Lösung dieses Problems ist ganz einfach: Gebt den Tieren die Freiheit zurück. Lasst die Schweine auf den Wiesen wühlen – dann gibt es keine Jauche mehr, die stinkt. Ich persönlich bin täglich draussen in der Natur unterwegs und spaziere an den unzähligen Schweineställen in unserer Umgebung vorbei – die notabene stinken, weil nicht tier- und artgerecht.

Hand aufs Herz: Keiner von uns möchte freiwillig daneben wohnen und den Gestank sowie dieses Geschrei hören! Wenn wir alle wieder «menschlicher, humaner und natürlich ‹tierisch›» werden und wir alle bereit sind, mehr für Qualität und tiergerechte Haltung zu bezahlen sowie weniger Fleisch zu konsumieren, verschwindet die Thematik von selbst und es geht uns allen besser – weil gesünder. Wenn wir alle umdenken, gibt es so auch wieder ein freundliches Miteinander und nicht einen tagtäglichen Kampf ums Überleben in vielschichtigen Dimensionen.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen, welche auf diesen Konflikt aufmerksam machen, dem geschätzten Hauseigentümer, welcher auf den Notstand aufmerksam macht, Familie Hofer, welche sich für das Überleben ihres Bauernhofes einsetzt und der «Luzerner Zeitung», die darüber berichtet. Familie Hofer wünsche ich in der siebten Generation den Mut, umzudenken – dann wendet sich alles zum Guten. Viel Glück!

Marlis Noetzli, Rain


Es sind immer wieder die gleichen Bilder. Neuzuzüger reklamieren über etwas, von ihrer Sicht aus Wahrgenommenes, Störendes und die Einheimischen «kuschen» sofort zu Gunsten diesen! Ob es die Kirchenglocke ist, die um fünf Uhr morgens läutet. Ob es ein Schiff ist, das beim an- und ablegen hornt. Ob es die Eisenbahn ist. Ob es die tönenden Schellen sind bei weidenden Kühen. Oder eben, ob es Säue sind, die einfach einmal einen «stärkeren» Geruch haben.

Aber in den meisten Fällen war das scheinbar «Störende» schon lange vor dem Neuzuzüger da. Im Falle von Familie Hofer ist es ja ein «Witz», wenn es mit der Wohnzone «gerichtet» werden soll. Als ob der Geruch an der Wohnzonengrenze haltmachen würde!

Schon in siebter Generation betreibt die Familie Hofer diesen Betrieb. Für mich steht das im Vordergrund und nicht Zuziehende, bei denen wir meinen, dass diese ja schliesslich auch ein «Geldsegen» für die Gemeinde sind.

Genau diese «Motzer» kaufen auch bei Migros oder Coop ein, die mit dem Slogan «Aus der Region. Für die Region.» und «Miini Region» werben. Vielleicht sollten sie einmal überlegen, was genau diese Slogans aussagen wollen.

Der Familie Hofer wünsche ich alles erdenkliche Gute für die Zukunft, so dass auch die achte Generation ihrem Traum, den Betrieb weiter zu führen, nachgehen kann!

Martin Iten-Iten, Alosen