Kommentar
Wie immer ist keiner schuld

Das Muster bleibt dasselbe: Die Banker tätigen illegale Geschäfte und wenn diese auffliegen, will niemand schuld sein. Es werden Bussen bezahlt, und alles geht seinen gewohnten Gang. Die Sitten im globalen Banking sind verwildert. Ein Kommentar.

Roman Seiler
Roman Seiler
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UBS: Und wieder eine Busse...

UBS: Und wieder eine Busse...

Keystone

Das Ritual ist absurd: Banker manipulieren Devisen- und Zinssätze. Die Geschäfte, die sie tätigen, schädigen ihre Kunden. Mit den damit erzielten Gewinnen erhöhen dieselben Banker ihre Boni. Fliegen die Machenschaften auf, wischen die betroffenen Bank-Chefs die Verfehlungen mit einer hohen Busse vom Tisch. Und damit meist auch eine Strafuntersuchung der Vorgänge.

Wie enttäuscht sie über das Gebaren ihrer Mitarbeiter seien, klagen dann die Konzernchefs. Sie täten alles, um solche Vergehen zu verhindern. Dann gehts zur Tagesordnung über - bis zur nächsten Busse. Berappen tut sie der Aktionär.

Die sich ewig gleichenden Vergleiche sind für alle Involvierten vorteilhaft. Der Staat füllt seine leeren Kassen, die Top-Manager erhalten sich ihre Jobs und meist auch ihre hohen Boni. Schuld sind immer die anderen, die unbelehrbaren Mitarbeiter, die sich nicht an die Vorschriften halten. Doch die können ja nur verletzt werden, weil keiner richtig kontrolliert.

Es ist halt eben so: Die Sitten im globalen Banking sind verwildert. Jeder achtet nur auf seinen Profit. Je schneller dieser kommt, desto besser. Wenn einer mal richtig an die Kasse kommt, ist er meist ein kleiner oder allenfalls mittlerer Fisch. Die grossen müssen vielleicht wegen der Verluste oder der Rufschädigung vorübergehend ihren Platz räumen. Vorübergehend: Fast jeder taucht wieder auf, in einem Verwaltungsrat oder gar in einer operativen Funktion – auch in der Schweiz. Und kassiert weiter.

roman.seiler@azmedien.ch