Per Autostopp um die Welt (71)
Wie alles begann – zurück am Geburtsort meines Autostopp-Traums

Das Kanada-Abenteuer setzt sich fort: Thomas Schlittler reiste diese Woche von Lake Louise nach Vancouver. Dabei stattete er auch den Kootenays einen zweiten Besuch ab.

Thomas Schlittler
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Thomas Schlittler Bildergalerie 3 Woche 71
7 Bilder
Den Jasper-Pulli habe ich noch immer. Er ist meine Lieblings-Reisebekleidung und darf deshalb natürlich auch auf meiner Tour um den Globus nicht fehlen. Auch auf hoher See nicht.
04_2008 bei Bruno und Tessa zu Hause
Die Familie Armstrong nimmt mich 2008 auf ihrem privaten Campingplatz mitten im Wald auf
Vreny (z.v.r) und Ruedi Bieri (z.v.l.) sind vor über 20 Jahren von Luzern nach Kanada ausgewandert. Sie sind in Nelson zu Besuch bei ihrer Tochter (d.v.r.)
Tessa und Bruno leben mittlerweile zwar in der Nähe von Edmonton. Für mich sind sie aber nach wie vor Kootenays
Die Familie Armstrong besuche ich dieses Mal nicht auf ihrem Campingplatz, sondern in ihrem Zuhause in Castlegar

Thomas Schlittler Bildergalerie 3 Woche 71

Thomas Schlittler

Ich habe einen grauen Kapuzenpulli, der mich hier in Kanada sofort als Tourist outet: Wenn meine Fahrer das Wort „Jasper“ auf meiner Brust lesen, wissen sie, dass ich meinen Hoodie in einem Souvenirshop im gleichnamigen Nationalpark gekauft habe.
Was sie jedoch nicht wissen: Der Pullover ist bereits seit Sommer 2008 in meinem Besitz. Damals, im Alter von 19 Jahren, packte ich das erste Mal meinen Rucksack, um zweieinhalb Monate lang durch den Westen Kanadas zu trampen.

Auszug aus einem alten Fotoalbum_2008 trampte ich schon einmal durch den Westen Kanadas
3 Bilder
Thomas Schlittler Bildergalerie 3 Woche 71
Den Jasper-Pulli habe ich noch immer. Er ist meine Lieblings-Reisebekleidung und darf deshalb natürlich auch auf meiner Tour um den Globus nicht fehlen. Auch auf hoher See nicht.

Auszug aus einem alten Fotoalbum_2008 trampte ich schon einmal durch den Westen Kanadas

Thomas Schlittler

Wieso es mich vor acht Jahren nach Kanada zog, weiss ich nicht mehr so genau. Vermutlich wollte ich für meine erste grössere Reise in ein Land, in dem ich mit den Einheimischen reden konnte.
Ich weiss auch nicht, wie ich damals auf die Idee kam, per Autostopp herumzureisen. Ein besonders alternativer Typ war ich eigentlich nie. Wahrscheinlich waren es finanzielle Gründe, die mich an den Strassenrand trieben. Nach KV-Lehre und Berufsmatura war das Reisebudget knapp.

04_2008 bei Bruno und Tessa zu Hause

04_2008 bei Bruno und Tessa zu Hause

Thomas Schlittler

Unvergessen sind auch die Tage mit der Familie Armstrong: Mutter Bette und Tochter Joanna retten mich zuerst vor einem Platzregen und gewähren mir dann auf ihrem privaten Campingplatz mitten im Wald Asyl – Kanu fahren und fischen inklusive.

Die Familie Armstrong nimmt mich 2008 auf ihrem privaten Campingplatz mitten im Wald auf

Die Familie Armstrong nimmt mich 2008 auf ihrem privaten Campingplatz mitten im Wald auf

Thomas Schlittler

Mit diesen wundervollen Erinnerungen im Kopf bin ich diese Woche in die Kootenays zurückgekehrt. Meine Erwartungen waren hoch – und wurden übertroffen!
Wie vor acht Jahren haben mir auch diese Woche wildfremde Menschen einen Platz zum Schlafen angeboten. Und wie vor acht Jahren waren auch diese Woche Menschen mit Schweizer Wurzeln unter meinen grosszügigen Gastgebern. Und wie Bruno vor acht Jahren treffe ich die Familie Bieri in einem Pub in Nelson. Der einzige Unterschied ist, dass Brunos Familie ursprünglich aus dem Toggenburg stammt, die Bieris dagegen aus Luzern.

Vreny (z.v.r) und Ruedi Bieri (z.v.l.) sind vor über 20 Jahren von Luzern nach Kanada ausgewandert. Sie sind in Nelson zu Besuch bei ihrer Tochter (d.v.r.)

Vreny (z.v.r) und Ruedi Bieri (z.v.l.) sind vor über 20 Jahren von Luzern nach Kanada ausgewandert. Sie sind in Nelson zu Besuch bei ihrer Tochter (d.v.r.)

Thomas Schlittler

Obwohl die Ost- der Innerschweiz natürlich vorzuziehen ist – ich bin Thurgauer –, war mein zweiter Kootenay-Besuch insgesamt noch besser als der erste. Der Grund: Dieses Mal habe ich nicht nur neue Bekanntschaften geschlossen, sondern ich konnte auch alte Freunde besuchen. Sowohl mit der Familie Armstrong als auch mit Bruno und Tessa bin ich sofort wieder auf einer Wellenlänge. Dass wir in den acht Jahren seit meinem letzten Kanada-Aufenthalt kaum Kontakt hatten, spielt keine Rolle.

Tessa und Bruno leben mittlerweile zwar in der Nähe von Edmonton. Für mich sind sie aber nach wie vor Kootenays

Tessa und Bruno leben mittlerweile zwar in der Nähe von Edmonton. Für mich sind sie aber nach wie vor Kootenays

Thomas Schlittler
Die Familie Armstrong besuche ich dieses Mal nicht auf ihrem Campingplatz, sondern in ihrem Zuhause in Castlegar

Die Familie Armstrong besuche ich dieses Mal nicht auf ihrem Campingplatz, sondern in ihrem Zuhause in Castlegar

Thomas Schlittler

Ich freue mich jetzt schon auf meinen nächsten Besuch in den Kootenays. Schliesslich kenne ich jetzt wieder ein paar tolle Menschen mehr, die ich besuchen kann. Bis es soweit ist, hoffe ich, dass die Kootenay-Bewohner ihre aussergewöhnliche Gastfreundschaft beibehalten – und dass ich auch dann noch in meinen Jasper-Pullover hineinpasse.

Das war die Woche in Bildern:

Von Lake Louise nach Moraine Lake_Der Engländer Connor (l.) und der Australier Louis fahren mich an den Moraine Lake
14 Bilder
Da ich vor acht Jahren schon einmal in Lake Louise war, weiss ich, dass der Moraine Lake schöner ist als der Lake Louise. Auch wenn Letzterer bekannter ist.
Von Moraine Lake nach Lake Louise_Nach einer Wanderung geht es mit Ludovic und Noreen zurück ins Dorf. Die beiden Franzosen arbeiten in Lausanne.
Von Lake Louise nach Revelstoke_Beim gemütlichen Rick passiert mir etwas, was mir noch fast nie passiert ist_Ich vergesse, ihn um ein Fahrer-Selfie zu bitten
Von Revelstoke nach Nakusp_Bei Alt-Hippie Pat bin ich dann wieder bei der Sache. Der 69-Jährige bietet mir an, dass ich bei ihm übernachten könne. Kootenays - olé!
Von Nakusp nach Winlaw_Blair ist ein Lebenskünstler, eine ziemliche Legende. Er führt eine kleine Schweinefarm. Im Herzen ist er aber Musiker und Poet
Von Winlaw nach Nelson_Dieser Herr, dessen Name ich vergessen habe, nimmt mich mit, obwohl es bereits dunkel ist. Kootenay - olé!
Von Nelson nach Castlegar_Kyle lädt mich auf, obwohl ich nach dem feuchtfröhlichen Abend mit der Familie Bieri (siehe Artikel) ziemlich kaputt aussehe
Von Castlegar nach Princeton_Maayan (r.) und Tzipi sind Touristinnen aus Israel. Sie nehmen mich nicht einfach nur mit ...
... sondern führen mich auch noch zu den Sehenswürdigkeiten der Gegend. Doch damit nicht genug. Sie sorgen gar dafür, dass ich ein warmes, kostenlos Bett habe
Sie führen mich zur Couchsurferin Heather, die neben Maayan, Tzipi und mir auch noch eine Schwedin und eine Französin hostet. Es lebe der kulturelle Austausch!
Von Princeton nach Harrison Hot Springs_Doch Heather bietet uns nicht nur ein kostenloses, warmes Bett und gute Gespräche ...
... Tags darauf zeigt sie uns auch noch die schönsten Plätze in der Umgebung. Ich komme in ihrem Cabrio rund 150km näher Richtung Vancouver.
Von Harrison Hot Springs nach Vancouver_Die restliche Strecke sitze ich dann wieder bei Maayan und Tzipi im Auto. Zwei grandiose Mädels!

Von Lake Louise nach Moraine Lake_Der Engländer Connor (l.) und der Australier Louis fahren mich an den Moraine Lake

Thomas Schlittler