Kommentar
Warten, bis der Fussball ruht

Gib dem Affen Zucker. Über die Schwächen der zahlenden Fussballfans und dem vielen Geld, das im Fussball steckt.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Hauptsitz des DFB

Hauptsitz des DFB

Zur Verfügung gestellt

Mag sein, dass wir Fussballfans gerne nichts Böses sehen, hören oder sagen. Mag sein, dass wir ignorant sind, weil uns der eine, magische Moment auf dem Rasen wochenlang beflügelt, während reihenweise Fussballfunktionäre in Gewahrsam genommen werden; weil wir uns über einen Fehlentscheid des Schiedsrichters empören, während die Fifa in Trümmern liegt; weil wir stundenlang über Taktik debattieren, während die deutsche Staatsanwaltschaft die Büros des Deutschen Fussballbundes auf den Kopf stellt; weil uns die Korruption in der Fussball-Funktionärskaste etwa so berührt wie ein Erdbeben der Stärke 3,5 in Grönland.

Das Perfide: Die korrupte Fussball-Elite weiss um unsere Schwäche. Fast täglich lockt sie uns mit einem exquisiten Menü zur Völlerei. Real Madrid - Paris Saint-Germain am Dienstag im Fernsehen?

5 Franken. Bayern München - Arsenal heute Abend? Gratis. Dortmund - Schalke am Sonntag? 5 Franken. Und die Welt ist ein Fussball.

Allein die englische Premier League generiert ab der nächsten Saison 900 Millionen Euro pro Jahr aus der Auslandvermarktung.

Wayne Rooney verdient 300 000 Pfund – in einer Woche. Adidas hat rund 15 Millionen Teamgeist-Exemplare – den offiziellen Ball der mutmasslich gekauften WM 2006 – verkauft.

Es steckt unfassbar viel Geld im Fussball.

So viel, dass genügend Schmiermittel übrig bleibt. Gewiss ist das mit unseren moralischen Werten nicht vereinbar.

Aber die Sinnfrage stellen? Vielleicht an Heiligabend, wenn der Fussball ruht.

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