Kolumne
Roman Wick oder mehr Verstand als Herz

Der Rücktritt von ZSC-Lions-Stürmer Roman Wick aus der Nationalmannschaft hat hohe Wellen geworfen. Im Zusammenhang mit diesem überraschenden Schritt gingen die Meinungen der Fans und der Medien weit auseinander.

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
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Roman Wick hat von der Nationalmannschaft genug.

Roman Wick hat von der Nationalmannschaft genug.

Keystone

«Verräter!», schimpften die einen, «verständlich», stimmten die anderen zu. Der Fall zeigt: Die Diskussion über Sinn und Unsinn der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft lässt sich am Beispiel Wick vortrefflich führen.

Spieler vom Kaliber Wicks müssen aufgrund ihres Status niemandem mehr etwas beweisen. Der 28-Jährige hat an ein paar Weltmeisterschaften teilgenommen und zwei olympische Turniere miterlebt. Einen Anlauf in Richtung NHL hat er ebenfalls schon genommen. Kurz: Roman Wick hat die grosse weite Eishockey-Welt erlebt. Seine Motivation, sich unbedingt auf internationalem Parkett zu präsentieren, hält sich also in überschaubaren Grenzen.

Der Topskorer der ZSC Lions gehört zu den Grossverdienern in unserer Liga. Wieso also sollte er seine Gesundheit noch auf einer Ebene riskieren, die für ihn keinerlei Vorteile mehr bringt? Klar: Diese Einstellung kann man zu Recht als hochgradig egoistisch und unehrenhaft bezeichnen. Aber eben: Wick weiss selber am besten, was er zu tun und zu lassen hat.

Das Problem an ist, dass der Zürcher mit seiner Einstellung zu einem Trendsetter der unangenehmen Art werden könnte. Die Nationalmannschaft ist und bleibt das Aushängeschild einer jeden Sportart. Dort sollten sich die bestmöglichen Vertreter des Landes im internationalen Vergleich messen. Auch wenn die Eishockey-WM jedes Jahr stattfindet und damit in der öffentlichen Wahrnehmung oft belächelt wird, so freut sich doch die ganze Schweiz, wenn die «Nati» wie im letzten Jahr eine Silbermedaille gewinnt. Solche Exploits sind nur möglich, wenn – mit Ausnahme der NHL-Spieler – die besten Spieler an die Weltmeisterschaften reisen.

Nun zeichnet sich ab, dass die Nationalmannschaft für die «gestandenen» Nationalspieler nur noch im Hinblick auf die Olympischen Spiele wirklich interessant ist. Nur auf olympischem Level lässt sich wirklich beste Werbung in eigener Sache – sprich für die NHL – betreiben. Roman Wick ist 32 Jahre alt, wenn 2018 in Pyeongchang um olympisches Edelmetall gekämpft wird. Damit wäre er immer noch im besten Alter. Aber offenbar reicht das nicht mehr, um sich für das Nationalteam zu motivieren.

Immerhin: Auch wenn sich unser Land Rücktritte von Spielern des Kalibers Wick eigentlich nicht leisten kann, so öffnen sich neue Türen für zahlreiche Talente. Nationaltrainer Glen Hanlon wird schon im November am Deutschland-Cup eine Vielzahl «Frischlinge» testen, von denen einer dereinst vielleicht in Wicks Fussstapfen treten wird. Trotzdem wäre es wünschenswert, dass sein Beispiel nicht Schule macht. Spieler wie Mathias Seger, der auch mit 36 noch jedem Aufgebot Folge leistete, zeigen, dass die Nationalmannschaft vor allem eines sein sollte: eine Herzensangelegenheit.

Auf solche Tore von Roman Wick muss die Schweizer Nationalmannschaft in Zukunft verzichten: