Kommentar
Schlacht in Idlib: Es gibt nur Verlierer

Ein Waffenstillstand in Idlib scheint nicht mehr möglich.

Martin Gehlen, Tunis
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Martin Gehlen.

Martin Gehlen.

Die Welt schaute gestern nach Teheran, wo die Präsidenten von Iran, Russland und der Türkei um Idlib rangen. Augenfälliger hätte man nicht demonstrieren können, wie sehr sich die strategischen Gewichte im Nahen Osten verschoben haben. Die USA und Europa schauten von Ferne zu. US-Präsident Trump twitterte erst flehentlich, dann grollend, die Schlacht abzublasen. Doch nach Teheran ist klar: Einen Waffenstillstand wird es nicht geben, Idlib wird zur Todesfalle.

Wladimir Putin und Hassan Ruhani liessen Recep Tayyip Erdogan abblitzen, der noch einmal die Gefahr einer beispiellosen Tragödie beschwor. Genauso wie Assad sind dessen Handlanger Teheran und Moskau zu allem entschlossen. Trotzdem könnte den absehbaren Siegern ihr mörderischer Feldzug noch teuer zu stehen kommen.

An Milliardenhilfen aus Europa für Wiederaufbau und Rückkehr der Flüchtlinge wäre nach einem derartigen Massaker nicht mehr zu denken. Teheran und Moskau stünden jahrelang allein vor dem syrischen Trümmerfeld, was sie aus eigener Kraft nicht wieder aufbauen können. Der Iran braucht im Streit um das Atomabkommen ebenfalls Europas Wohlwollen, was sich unter dem Eindruck solcher Kriegsgräuel schnell verflüchtigen dürfte.

Auch in der russischen und iranischen Bevölkerung wächst der Unmut über diese imperiale Aussenpolitik. Trotzdem gaben Putin und Ruhani ohne jedes Zögern grünes Licht für die Schlacht um die Rebellenhochburg. Militärisch wäre der Bürgerkrieg dann entschieden. Politisch jedoch fangen die Probleme für Assad und seine beiden Schutzmächte dann erst richtig an.