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Alles, was gutes Live-Fernsehen ausmacht: Eine Lobrede auf das TV-Monument «Wetten, dass ...?»

Die grosse Unterhaltungskiste feiert Auferstehung. SRF, ZDF und ORF strahlen eine Neuauflage mit Thomas Gottschalk aus. Die Sendung ist Kult.

Christian Mensch
Christian Mensch
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Es gibt Wieder- und Neuauflagen alter Kamellen, die absolut unnötig sind. Peinlich gar, reine Inszenierungen von Eitelkeiten. Oder pure Geschäftshuberei, um einer ausgepressten Zitrone noch etwas Saft abzugewinnen. Oder in der Sprache der Dakota-Indianer: Der Versuch, ein totes Pferd zu reiten.

«Wetten, dass ...?» zählt viele Eigenheiten, um die Unterhaltungssendung genau der beschriebenen Kategorie zuzuordnen. Heute Abend feiert das Format nach mehrjähriger Pause eine vorerst einmalige Auferstehung. In aller Pracht auf SRF, ZDF und ORF, als hätte es die Pause nicht gegeben. Wie zuvor moderiert von Thomas Gottschalk (71), sekundiert von Michelle Hunziker (44). Aus der Mottenkiste stammen Gäste wie Udo Lindenberg (75) und ABBA. Mehr paradisvogelhafte Selbstverliebtheit ist schwerlich an einen Ort zu bringen.

Doch «Wetten, dass ...?» sei dies gewährt. Die Sendung ist ein Monument der TV-Unterhaltung. Vor 40 Jahren von Frank Elstner erfunden, enthält sie alles, was gutes Live-Fernsehen ausmacht. Eine Quadratur des Kreises, mit Spiel und Show, mit Prominenz und Plebs. Die Sendung ist durchkommerzialisiert; keine Kameraeinstellung ohne Product-Placement. Und doch ist sie anarchisch, ver- weigert sich der Planbarkeit und dem sakrosankten Programmablauf. Sie dauert so lange, wie sie dauert.

«Wetten, dass ...?» lebt mit Gottschalk und wird mit ihm endgültig sterben. Es ist wie mit den Rolling Stones, die leben, solange Mick Jagger (78) auf Tour geht. Irgendwie peinlich, aber dennoch gut.

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