Bundesrat
Gedankenspiel über einem Leuthard-Rücktritt

Wieso lässt Bundesrätin Doris Leuthard mit Walter Thurnherr ihren besten Mann ziehen? Und was würde ein Rücktritt der CVP-Bundesrätin auslösen?

Gieri Cavelty
Gieri Cavelty
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Für den Politbeobachter bedeutet es das höchste der Gefühle: die Spekulation über einen Bundesratsrücktritt. Abgesehen von der journalistischen Lust nach etwas Klatsch im spröden Bundesberner Alltag – derlei Fragen sind auch fürs breite Publikum von Interesse und relevant.

Wir wollen gar erst nicht von den grossen Dossiers sprechen und von der Bedeutung des Energie- und Umweltministers. Schliesslich geht es an dieser Stelle zunächst um die blosse – und zugegebenermassen mutige – Mutmassung über einen möglicherweise unmittelbar bevorstehenden Rücktritt von Doris Leuthard. Allerdings ist das Gedankenspiel auch in einer solchen bescheidenen Versuchsanordnung nicht ohne Reiz: Otto Stich hatte der SP weiland den roten Teppich ausgerollt und seinen Rücktritt aus der Landesregierung so terminiert, dass im Wahlkampf 1995 des Langen und Breiten über die SP und ihre vielen fähigen Bundesratskandidaten debattiert werden konnte.

Das Resultat bei den Nationalratswahlen nahm sich entsprechend erfreulich für die Genossen aus. Für einen derartigen Zug wäre eine Rücktrittsankündigung von Doris Leuthard wenige Tage vor den Parlamentswahlen gewiss etwas sehr spät. Ein «Game Changer» im ereignislos vor sich hin plätschernden Wahlkampf wäre eine solche Demission indes auf alle Fälle; die Prognosen müssten zugunsten der CVP korrigiert werden.

Doch selbst wenn Doris Leuthard ihr Ausscheiden aus dem Bundesrat erst später bekannt geben sollte: Durch die Freigabe ihres wichtigsten Mitarbeiters Walter Thurnherr zum jetzigen Zeitpunkt hat es die einstige CVP-Präsidentin immerhin geschafft, dass man am heutigen Tag wieder einmal über die Christdemokraten spricht. Für eine Partei, der für den 18. Oktober ein historisches Wählertief prophezeit wird – für diese CVP ist allein dies schon sehr viel wert.

Freilich darf man diese dritte Option ebenfalls bedenken: Sollte es Leuthards Wunsch sein, ihren Vertrauten ins Bundesratszimmer zu schleusen, um mit ihm dort über Jahre ein Powerplay aufzuziehen – so wäre dies ein Coup von weit grösserer Chuzpe als lediglich etwas Schützenhilfe für eine schwächelnde Partei.

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