Zettel
Gedanken im Dezember

Im Dezember ticken die Menschen anders. Im Büro herrscht Endspurt-Stimmung. Was will/ muss/kann ich noch erledigen? Was unbedingt fürs nächste Jahr planen?

Sabine Altorfer
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Aber zuerst bitte noch Ideen für die Zeitung über die Festtage! Ein altbekanntes Prozedere, und doch immer hektisch.

Die Endjahres-Stimmung bringt die Menschen dazu, ihr soziales Verhalten zu bilanzieren. Wen wollte man einladen und hat es nicht geschafft? Die guten Vorsätze fürs neue Jahr scheinen schon gefasst: Terminvorschläge für Januar und Februar treffen ein. Vorfreude herrscht.

Überrascht hat mich dieses Jahr, wie präsent die Gedanken an Weihnachten und das Jahresende im Privatleben sind. Habe ich jemals zuvor so oft über Weihnachtsmenüs geredet? Über Festtagstraditionen in Familien? Über Pläne für die Tage dazwischen? Und auch die Zeit der Gschänkli-Absenz (haben wir abgeschafft, Geschenke gibt es nur für die Kinder) scheint passé. Weihnachten hat uns wieder.

Warum aber reden so viele Menschen diesen Dezember über den Tod? Ist es die Dunkelheit, das Ende des Jahres, oder war es im Unterbewusstsein doch der drohende Weltuntergang? Genau genommen wird an den Tod gedacht, geredet wird aber über und geplant für den «letzten Anlass». Ein Lied von Freddie Mercury am Radio reicht, um jemanden sagen zu lassen: «Das sollte man an meiner Beerdigung spielen.» Und bei einem Tischgeplauder über kommunikative Formen von Essen meint einer unvermittelt: «Bei meiner Beerdigung soll es ein Buffet geben, dann können die Leute miteinander reden.»

Noch neun Tage, dann ist Januar. Neustart.

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