Gastkolumne
Die perfekte Verschwörung

Christof Gasser
Christof Gasser
Merken
Drucken
Teilen
Bill Gates in der Hauptrolle eines Solothurner Krimis?

Bill Gates in der Hauptrolle eines Solothurner Krimis?

Mark Lennihan/AP

Ich werde des Öfteren gefragt, ob und wann ich einen Krimi über die Coronaverschwörung schreiben werde. Meine Antwort ist stets kurz und bündig: gar nicht. Wer will schon einen Krimi über etwas lesen, dass er live und in Farbe vor seiner Haustüre erlebt hat.

Mal angenommen, ich würde einen Coronaverschwörungskrimi schreiben wollen, was wäre der Ansatz, damit die Geschichte einigermassen glaubhaft daherkommt? Etwa Bill Gates, der in Kollusion mit der WHO das Virus lanciert haben soll? Da stellt sich die Frage, wie ein Mann, dessen Firma nicht mal ein auf Anhieb funktionierendes PC-Betriebssystem zustande bringt, mit Hilfe eines Virus die Weltverschwörung vom Stapel lassen will. Erst mal den Befehl «Corona Go» anklicken und dann kommt was genau? Höchstwahrscheinlich die übliche Systemmeldung: «Unbekannter Fehler – Operation misslungen».

Interessanter ist da schon die WHO, deren Budget lediglich zu einem Fünftel von den Mitgliedstaaten finanziert wird. Wer sind die anderen Geldgeber neben Bill Gates? Welche Interessen vertreten sie und was sind ihre Erwartungen? Da hat’s eventuell Fleisch am Knochen. Hingegen dürfte der Nutzen von Virologen und Epidemiologen, die anlässlich von Pandemien auf eine traumatisierte Öffentlichkeit losgelassen werden, begrenzt sein. Ich würde sie höchstens als dramaturgisches Füllmaterial oder Initialopfer verwenden.

Warum grassieren Verschwörungstheorien ausgerechnet während grosser Krisen und Pandemien von der Schwarzen Pest bis Corona? Ein Erklärungsansatz wäre, dass ein Virus weder eine Persönlichkeit noch eine Strategie hat, die einem bekannten Feindbild zugeordnet werden könnten. Bis heute hat sich daraus der Drang bewahrt, dem obskuren Bösen Gestalt zu verleihen. Im Mittelalter entwickelte die Kirche Meisterschaft darin, die Schuld an Krankheiten und Seuchen als Teufelswerk den Frauen in die Schuhe zu schieben, um sich ihrer dann zu Tausenden auf dem Scheiterhaufen zu entledigen. Ein äusserst lukratives Geschäft, denn nicht selten befanden sich unter den bedauernswerten Opfern wohlhabende alleinstehende Erbinnen und vermögende Witwen, deren Hab und Gut die Kirchenoberen und weltliche Fürsten ganz nebenbei einziehen durften. Doch diese Geschichte wurde bereits erzählt.

In der Realität wie in der Fiktion hilft bei der Beurteilung von Verschwörungstheorien der gesunde Menschenverstand. Als Autor muss ich mich bei der Stoffsuche fragen, ob eine Verschwörung glaubhaft ist und wem sie in diesem Fall nützt. Der Regierung vielleicht? Nun, die Politik mag die Pandemieprävention glorios versemmelt haben, aber macht es denn Sinn, ein Land in die grösste Wirtschaftskrise seit den 1930er-­Jahren zu steuern und auf Jahrzehnte hinaus zu verschulden, nur um am Ende 5G und Impfzwang einführen zu können?

Es bleibt dabei: Es gibt interessantere Stoffe als einen Coronakrimi. Und ich sehe gerade, dass ich Schluss machen muss, mein Computer stürzt gleich ab. Unbekannter Fehler! Bill Gates hat wohl meine Bemerkung über ihn gelesen.

*Christof Gasser ist Schriftsteller und lebt in Oberdorf