Kommentar
Es fehlen die Sprengmeister

Für eine erfolgreiche Sprengkandidatur braucht es drei Zutaten: Einen Sprengkörper (wilder Kandidat, der die offiziellen Anwärter wegspediert), eine Zündschnur (Strategie) sowie Sprengmeister (Vordenker), die willens sind, die Detonation auszulösen.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
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Am Vorgehen der SVP und an deren drei Bundesratskandidaten Thomas Aeschi, Norman Gobbi und Guy Parmelin (oben, v.l.) scheiden sich die Geister.

Am Vorgehen der SVP und an deren drei Bundesratskandidaten Thomas Aeschi, Norman Gobbi und Guy Parmelin (oben, v.l.) scheiden sich die Geister.

KEYSTONE

Diese Zutaten sind derzeit nicht vorhanden. Bundesbern wird – ein Wunder ausgeschlossen – einen gesitteten Mittwochvormittag erleben, die SVP bekommt nicht nur den seit Jahren reklamierten zweiten Sitz in der Landesregierung.

Sie bekommt sogar einen Bundesrat ihrer Gnaden.

Aeschi, Gobbi, Parmelin: Viele im Bundeshaus sind unglücklich mit dem Kandidatenfeld, das die grösste Partei präsentiert.

In der Privatwirtschaft würde man bei Kandidaten dieses Kalibers ein zweites Assessment mit neuen Anwärtern durchführen, flachste gestern ein einflussreiches FDP-Mitglied.

Doch dieser Unmut und die Verärgerung über den SVP-Gängelparagrafen, der den Parteiausschluss wild gewählter postuliert, sind nicht grösser als die Angst vor einem erneuten staatspolitischen Scherbenhaufen, der zweifellos die Folge einer Sprengaktion wäre.

CVP und FDP wollen nur noch eines: Ruhe. Sie wollen die SVP, welche die bürgerliche Mitte seit Jahren bedrängt, in die Pflicht nehmen und damit, so die Hoffnung, bändigen. Viel Glück, Kameraden!

So vernünftig diese Haltung ist: So lange Christoph Blocher mit Millionen in der Tasche und der unverdauten Wut über seine Abwahl im Bauch die Fäden zieht, wird es keine Verschnaufpause geben. So gut sollten wir den wahren SVP-Chef mittlerweile kennen.

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