Polemik
Die Kirche ist nicht rückständig genug

Frauenfrage, der Umgang mit Homosexualität, das Zölibat: Die katholische Kirche muss sich immer wieder den Vorwurf der Rückstständigkeit gefallen lassen. Und dies zurecht, findet unser Autor. Eine Polemik.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Schweizer Gardistinnen, die den Papst bewachen? Das wird es gemäss dem neuen Schweizer Garde-Chef Christoph Graf wohl nie geben.

Schweizer Gardistinnen, die den Papst bewachen? Das wird es gemäss dem neuen Schweizer Garde-Chef Christoph Graf wohl nie geben.

Keystone

Wieder einmal eine krass rückständige Bemerkung. «Wenn Homosexuelle ihre Sexualität ausleben und katholisch sein wollen, geht das nicht», sagt Christoph Graf gestern im Interview mit der «Nordwestschweiz».

Doch übel nehmen kann man das dem Typen nicht. Denn Graf ist Chef der Schweizergarde. Das sagt alles. Doch immerhin hat der Mann Prinzipien. Und Angst.

Davor, dass die Prinzipien bachab gehen. Würde sich die Kirche öffnen, so befürchtet Graf Schlimmes: «Am Ende hätten wir plötzlich Bischöfinnen oder sogar eine Päpstin.» Ui, ui, ui ... Blankes Entsetzen! Warum denn nicht gleich einen schwulen Papst, der seine Sexualität auslebt und dazu steht?

Aber eben, übel nehmen kann man das dem Graf nicht. Denn er ist für die katholische Kirche tätig und diese darf rückständig sein – das gehört ja quasi zu ihrer Identität.

Doch dann soll sie bitte konsequent rückständig sein. Dann sollen der Graf und sein Trüppchen den Papst vor möglichen Terroranschlägen bloss mit Hellebarden verteidigen. Und der Pontifex selber soll nicht in Privatjet und Papamobil mit Panzerglas, sondern bloss mit Kutsche und Schiff um die Welt gondeln.

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